BAGFW Wohlfahrtsmarken 2009 Rede Themenmarken Duft

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

Sehr geehrter Herr Minister,

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Unsere fünf Sinne sind Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Schmecken. Und für jeden dieser Sinne haben wir ein eigenes Organ: die Augen zum Sehen, die Ohren zum Hören, die Nase zum Riechen, die Haut zum Fühlen und die Zunge zum Schmecken. Die jeweiligen Empfindungen werden dabei über die Sinnesorgane empfangen und über die Nerven ans Gehirn weitergeleitet, wo sie entschlüsselt werden. Das Gehirn »sieht« Bilder, »hört« Geräusche und unterscheidet Farbe, Geruch und Geschmack. Ohne diese fünf Sinne könnte der Mensch die Welt um sich herum nicht entdecken. Eine Tatsache, der wir uns vielleicht einmal bewußt werden sollten. Auch deshalb, weil wir vieles als selbstverständlich nehmen. Beispielsweise die soziale Hilfe, die die Wohlfahrtsverbände leisten. Doch was ist schon im Leben und gerade auch in unserer heutigen Zeit selbstverständlich?

Ganz speziell geht es heute bei uns um ein ganz bestimmtes Sinnesorgan: Die Nase! Und damit verbunden um unseren Geruchssinn. Gerüche wecken Assoziationen und Emotionen, beeinflussen unser Leben mehr als wir glauben. Gerüche deuten an, versprechen, wecken Aufmerksamkeit und Phantasie, nähren Ängste und Hoffnungen: Sie sind das Salz in der atmosphärischen Suppe. Zwar halten die meisten von uns Sehen und Hören für wichtigere Sinnesfunktionen, da sie eher zu bewussten kognitiven Wahrnehmungsprozessen beitragen – aber im Augenblick höchsten Genusses schließen wir die Augen und schmecken den Geruch, riechen den Geschmack. Bevor Geist und Schönheit eines Menschen uns faszinieren können, muss dieser erst einmal unsere Nase betören. Man muß ihn riechen können.

Wer beispielsweise den Fim „Das Parfüm“ gesehen hat, kann sich den Einfluss von Düften und Gerüchen eindrucksvoll vorstellen. Jeder von uns bekommt sicherlich Hunger, wenn etwas lecker riecht. Und auch in unserer Sprache finden sich viele Redewendungen, die etwas mit dem Riechen oder der Nase zu tun haben. Ein paar Beispiele will ich Ihnen jetzt einmal „auf die Nase binden“: „Ich kann ihn nicht riechen!“ oder „Stinker“ sagt man, wenn man jemanden nicht ausstehen kann. „Das stinkt zum Himmel“, sagt man, wenn etwas richtig mies ist. „Morgenluft wittern“, sagt man, wenn sich jemand Hoffnung macht. „Von jemandem die Nase voll haben“, sagt man, wenn man sich über jemanden ärgert.

Rein wissenschaftlich gesehen, steckt die Geruchsforschung noch in den Kinderschuhen. Die Wissenschaft beschäftigt sich merkwürdigerweise erst seit ein paar Jahren mit den molekularen Prozessen, durch die wir zum Beispiel zwischen dem Duft einer Rose und einer vollen Windel unterscheiden können, oder warum wir uns an Düfte so gewöhnen, dass wir sie schon nach kurzer Zeit nicht mehr wahrnehmen.

Folgen wir der Geruchsspur ins Mikroskopische: Alle duftenden Gegenstände geben flüchtige Moleküle in die Luft ab. Fast alle natürlich vorkommenden Gerüche sind komplizierte Gemische aus Hunderten verschiedener Moleküle. Trotzdem genügen meist einige so genannte Leitsubstanzen, um einen bestimmten Geruch zu charakterisieren. So lässt sich mit Amylacetat Bananenduft imitieren, Geraniol erzeugt einen rosenähnlichen Eindruck und Skatol den von Fäkalien. Allerdings bemerken unsere Nase und unser Gehirn sehr schnell, dass noch etwas fehlt: Das macht den Unterschied aus zwischen einem Nahrungsmittel mit künstlichen Aromastoffen und einem aus den natürlichen Produkten.

Ähnliches gilt für die von uns heute vorgestellten Wohlfahrtsmarken mit den Markenmotiven Apfel, Erdbeere, Zitrone und Heidelbeere. Erstmals kann man sich nicht nur an einer schönen Briefmarke erfreuen, man kann sie jetzt auch riechen. Der Duft erschließt sich unseren rund 30 Milllionen Riechzellen, die in jeder Nase von uns stecken, wenn man leicht über die Marke rubbelt. Eine „markentechnische“ Meisterleistung, die nicht ganz so einfach zu realisieren war. Nach den Markeninnovationen der letzten Jahre zeigen damit die Wohlfahrtsverbände als Herausgeber, daß sie den richtigen Riecher haben, wenn es um Ideen geht, die soziale Hilfe machbar machen.

Seit über 60zig Jahren ist die Wohlfahrtsmarke eine erfolgreiche Idee, die nichts von ihrer Faszination verloren hat und die sich jedes Jahr mit neuen Ideen und Designs neu erfindet. Die Wohlfahrtsmarke hat dabei seit Jahren schon immer einen bestimmten Geruch. Den Geruch der notwendigen Hilfe, dort, wo man sie auch wirklich braucht. Dazu gehört in allererster Linie viel persönliches Engagement von Menschen und nicht zuletzt auch viel finanzielle Mittel, um die vielfältigen Aufgaben erfüllen zu können. Das reicht von der Jugendhilfe, Kindergärten, Heilpädagogischen Heimen, der Kranken- und Altenpflege, Mahlzeitendiensten, Altenheimen und Altentagesstätten, über Krankenhäuser, ambulante Hilfen, dem Müttergenesungswerk bis hin zu Selbsthilfegruppen von Arbeitslosen, Alkoholikern oder anderen sozialen Gruppen. Ein weites Feld also, das nicht immer spektakulär daherkommt. Es ist oftmals die kleine, stille, direkte, persönliche Hilfe, die vom Engagement des Einzelnen lebt. Über 1,1 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wohlfahrtsverbände in mehr als 93.000 sozialen Einrichtungen und Diensten mit rund 3,2 Millionen Betreuungsplätzen, dazu mehr als 3 Millionen ehrenamtliche Helfer, stellen sich Tag für Tag neuen Herausforderungen. Herausforderungen, die den Staat neben seinen anderen Aufgaben einfach überfordern würden. Man muß dies einfach immer wieder sagen.

Vieles auf unserer Welt „stinkt einfach zum Himmel“. Und auch politisch gesehen ist so manches „anrüchig“ und „schmeckt nicht jedem“. Klar muß allerdings sein, daß soziale Hilfe trotz aller Unterschiede vor allem dazu beiträgt, daß wir uns alle „riechen“ können. Jeder auf seine Weise. Und jeder mit seiner Nase. Aber immer mit dem Gespür, daß wir den richtigen Riecher für gemeinschaftliches Handeln haben.

In diesem Zusammenhang freuen wir uns natürlich erneut über das intensive Engagement der Deutschen Post AG, die uns erfolgreich bei Vertrieb und Werbung der Wohlfahrtsmarken unterstützt. Dank auch die vielen ehrenamtlichen Helfer, die Wohlfahrtsmarken über die Verbände verkaufen. Dank ebenso an die Designer und Grafiker, die Wohlfahrtsmarken entwickeln und immer neue attraktive Sammelmotive finden.

Und jetzt viel Spass beim Geruchstest der neuen Wohlfahrtsmarken. Ihre Nase wird sich freuen.

Vielen Dank für Ihr Interesse.

 

(Es gilt das gesprochene Wort!)