Vorsicht vor teuren Sexgesprächen

Ganz schön heiß und ganz schön teuer: Sex-Online-Dienste

Das Geschäft mit teuren Telefonansagediensten boomt. Nette Flirts und heiße Gespräche, Horoskope, Gesundheitstips und vieles mehr wird angeboten. Was vordergründig verlockend erscheint, ist schon für viele zu einem teuren Vergnügen geworden.

Aus dem Hörer dringt eine sexy rauchige Frauenstimme und sagt „Hallo Süßer, möchtest Du mit mir eine kleine Reise unternehmen?“ Im Hintergrund läuft dazu eine leise, eingehende erotische Melodie. Der Anrufer wird auf das angebliche akustische Sexerlebnis eingestimmt. Und während die Musik läuft, tickert unerbittlich der Telefonzähler, ohne das der Anrufer dies in seiner Stimmung wahrnimmt.

Spätestens am Monatsende wird er jedoch feststellen, daß ihn die Frauenstimme bis fast an das Ende der Welt gelockt hat: auf die Niederländischen Antillen – wo er mit einem Sprachcomputer verbunden war. Das jedenfalls kann er der Telefonrechnung entnehmen. Anstelle von 60 oder 80 Mark üblicher Monatsgebühren, stehen da plötzlich 300 Mark.

„Erotische Telefongespräche“, „Wilde Telefonparties“ oder „Heiße Traumverbindungen“ versprechen Anzeigen in zahlreichen Zeitschriften und Boulevard-Blättern. „Keine Kosten außer den Telefongebühren.“ steht da dick in den Anzeigen. Die allerdings sind erheblich. Denn was die meisten Anbieter dieser Dienste verschleiern: Bei den angegebenen Rufnummern handelt es sich oft genug um Auslandsverbindungen. Die Doppel-Null am Anfang weist deutlich darauf hin.

Clevere Geschäftemacher verstehen es, dabei nicht zu kleckern, sondern zu klotzen. Sie stellen ihre Sprachcomputer und Tonbänder mit den verführerischen Stimmen in exotischen Ländern wie den Niederlandischen Antillen oder Australien auf. Die Kosten für den Anrufer nennen sie häufig nur im Kleingedruckten.

3,12 Mark kostet beispielsweise so eine Verbindung pro Minute. Bei einem Telefonat von acht Minuten Länge macht das schon rund 25 Mark. Nach internationalen Vereinbarungen muß die Telekom davon rund die Hälfte an die jeweilige ausländische Telefongesellschaft zahlen, sofern keine Transitländer an dem Gespräch beteiligt sind. Für die ausländischen Telefongesellschaften ist das leicht verdientes Geld. Sie schließt deshalb mit der Telefondienst-Agentur einen Vertrag und gibt einen Teil der Einnahmen an sie weiter, um möglichst viele Anrufe in ihr Land zu locken.

Das lukrative Geschaft mit den „Antillen-Nummern“, wie sie in der Branche heißen, haben mittlerweile auch andere Anbieter erkannt: Horoskope, Gesundheitstips, Fußballergebnisse, Klatschnachnchten und Lebenshilfen aller Art sind übers Telefon im Ausland zu haben.

„Bei rasend schnell tickenden Einheiten zocken Geschäftemacher ihre oft ahnungslosen Kunden mit stereotyper Unterhaltung und gestanzter Lebenshilfe per Telefon ab“, beurteilt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen die ausländischen Dienste.

Selbst vor Kindern und Jugendlichen machen die Anbieter nicht halt. „Heiße News vom offiziellen Michael Jackson-Fanclub“, „Liebe-Kein Tabu-Alles was Du schon immer wissen wolltestl-Wähle 0061 …“ – mit diesen Werbesprüchen in Teenie-Zeitungen köderte beispielsweise eine Service-Agentur das iunge Publikum. Dabei wird die Unerfahrenheit der jungen Leute ausgenutzt. Minderjährige haben noch kein Getühl dafür, wie schnell sich die Gebühren für die Gespräche summieren. Der Berliner Verbraucherschutzverein verklagte daraufhin die Firma. Sie wurde in erster Instanz dazu verurteilt, keine weiteren Inserate mehr zu schalten, in denen Minderjährige angesprochen werden. „Wer sich im Wettbewerb die Unerfahrenheit bestimmter Personen zu Nutze macht, handelt wettbewerbswidrig“, urteilte das Berliner Landgericht.

Großen Ärger bereiten die ausländischen Telefondienste auch der Telekom. Denn die Gespräche laufen – wie alle Telefonate – über ihre Leitungen. Dafür bekommt sie vom Kunden eine Gebühr. An den Erlösen von Telefonsex- oder Informationsgesprächen hat Telekom keinen besonderen Anteil. Es bestehen weder Kontakte noch vertragliche Abmachungen mit den fragwürdigen Unternehmen.

Die Telekom hat auch keinen Einfluß darauf, welche Informationan vom Ausland über das Netz laufen. So locken die Service-Anbieter ahnungslose Mitmenschen problemlos mit immer neuen teuren Diensten. Und das mit Enfolg. Nach den Erkenntnissen von Telekom nimmt die Zahl der Einsprüche gegen unerwartet hohe Telefonrechnungen im gleichen Maße zu wie das Angebot von „Service-Leistungen“ unter den sogenannten „Antillen-Nummern“.

Damit nicht noch mehr Kunden in die Falle tappen, fordert Telekom, daß die Zeitungsinserate für die ausländischen Telefondienste deutlich den Gesamtpreis für ein mehrminütiges Gespräch nennen. Mit dem genauen Betrag vor Augen, wird der Anrufer hoffentlich etwas vorsichtiger sein.

Einen Erfolg gegen unseriöse Telefondienste konnte die Telekom auch vor kurzem in einem neueren Urteil erzielen. Denn die Telekom schaltete bei bestimmten Anbietern nicht mehr automatisch durch. Der Anrufer landete bei der „Handvermittlung“, mußte dort Namen und Rufnummer angeben und wurde erst dann zurückgerufen und mit dem Anbieter verbunden. Dagegen hatte ein „Service-Dienst“ geklagt. Die Richter dagegen befanden, daß die Telekom nicht verpflichtet sei, Anrufer automatisch durchzustellen.

Unseriösen Telefondiensten wird also das lukrative Geschäft hoffentlich immer mehr verleidet werden. Denn wer will schon für teures Geld mit einem Sprachcomputer, einer Maschine also, erotische Gespräche führen. Von den 0190er-Telefon-Servicediensten kann man in der Regel davon ausgehen, daß diese seriös sind. Doch Vorsicht ist auch hier geboten, denn „Schwarze Schafe“ stellen sich immer wieder einmal heraus. Achten sollte man zudem auf die Kosten, die kleingedruckt in der Anzeige stehen. Auch 1,15 Mark pro Minute kann sich je nach Gesprächsdauer zu einem erkläglichen Sümmchen addieren.

Redaktion: Helmut Peters