Vom Reiz des Sehens

Architektursimulation als Medium für Immobilienentwicklung und -marketing

Bilder sagen mehr als tausend Worte. Wohl wahr! Um sich jedoch bislang architektonische Pläne real vorzustellen, musste viel Phantasie aufgebracht werden. Bilder aus dem Computer können dies entscheidend ändern.

abb1 High-Tech im Hinterhof

Hamburg, Kleiner Kielort 10. Dort, in einem Hinterhof zwischen betulichen Bürgerhäusern, residiert Deutschlands modernstes Architektursimulationsunternehmen. Ein Ort eigentlich, wo man so gar nicht modernste Computertechnologie erwartet. Und dennoch entstehen hier mit völlig neuartigen Simulationsverfahren aus den bisher gewohnten, völlig normalen Bauskizzen, reale Bilder der geplanten Gebäude in ihrer tatsächlichen Umgebung, ohne daß hierfür jemals ein Maurer einen Stein in die Hand genommen hätte. Was die VAP Architektursimulation in Hamburg produziert, gilt bislang in Architekturkreisen als einzigartig. Investoren, Planer, Bauherren, Banker, Stadtentwickler oder Politiker können lange vor dem ersten Spatenstich das detailgetreue Aussehen eines geplanten Gebäudes begutachten. gezeigt wird.

Spielerei oder mehr?

Die Simulationen aus den Computern der VAP beeindrucken in der Tat. Was aber können Sie bewirken? Dipl. Ing. Eginhardt Lisewski, einer der beiden VAP-Geschäftsführer, versucht die Dinge auf den Punkt zu bringen. „Das realistische Bild kann für das Entstehen eines Gebäudes eine Vielzahl positiver Funktionen übernehmen. Beispielsweise kann veranschaulicht werden, wie das geplante Bauwerk in der Umgebung wirkt und welche Blickachsen entstehen. Auch Größenverhältnisse können überprüft und mögliche Fehler vor Beginn der Bauarbeiten korrigiert werden. Das kann ganz erheblichen Einfluß auf ein schnelles Genehmigungsverfahren haben, kann dazu führen, daß Investoren schneller überzeugt werden können oder aber, daß Objekte schneller vermietet oder verkauft werden. Wir sehen Architektursimulation als ein zukunftsorientiertes Mittel eines „Gebäude-Marketings“ von der Planung bis hin zur Vermarktung.“

Überzeugen durch Sehen

In Amerika gehören Architektursimulationen aus dem Computer schon lange zum Alltag. Viele geschäftstüchtige amerikanische Architekten setzen Architektursimulationen sozusagen als Mittel des Kundenservice ein. Wo sich in Deutschland Bauherren immer noch mit einer normalen Bauskizze recht phantasievoll herumschlagen müssen, kann man in Amerika real sehen, was denn nun der Architekt geplant hat. Die notwendige Diskussion über das geplante Bauprojekt kann direkter erfolgen.

Dieses Überzeugen durch Sehen war im Prinzip auch einer der Gründe für das Entstehen der VAP. Ein Investor wollte in der Hamburger Innenstadt ein Großgebäude in einem bestimmten Material mit besonderer Farbgebung errichten, das jedoch von der Baugenehmigungsbehörde zunächst abgelehnt wurde. Die Fassade, so das ursprüngliche Urteil der Beamten, passe in ihrer Farbgebung durchaus nicht in das Gebäudeumfeld.

Zufall oder nicht, daß der Investor eine junge Firma kannte, die sich u.a. mit Computergrafik beschäftigte. Diese beauftragte er, das geplante Gebäude mit seiner Fassade so real wie möglich in der tatsächlichen Umgebung darzustellen. Das Ergebnis überzeugte die Beamten. Die Baugenehmigung wurde erteilt und die VAP Architektursimulation war geboren.

Enormer Aufwand

Hochwertige Architektursimulationen, wie sie die VAP produziert, bedingen einen hohen Arbeitsaufwand und viel Kreativität der Menschen, die die Computer bedienen. Voraussetzung für jede Simulation ist dabei ein möglichst detailliertes Briefing. Je mehr Lagepläne, Grundrisse, Ansichten und Gebäudedaten zur Verfügung stehen, um so realistischer kann die Ansicht werden. Zunächst wird der Blickwinkel festgelegt, von dem aus das Gebäude betrachtet werden soll. Um das geplante Gebäude in die tatsächliche Umgebung einzufügen, nimmt ein Architekturfotograf an dem vorgesehenem Standort Bilder aus dem entsprechenden Winkel auf. Dieses Foto wird dann gescannt und in den Computer eingelesen.

Ansichten nach Wunsch

Auf der Basis der Architektenpläne wird nun zunächst ein Drahtmodell am Bildschirm erstellt und in die Baulücke plaziert. Anschließend wird am Bildschirm die Fassade „gemalt“. Das verlangt viel Fingerspitzengefühl und gestalterisches Können. Der Computer als Werkzeug ermöglicht dabei ungeahnte Dinge. Soll beispielsweise die Fassade mit einer bestimmten Sorte von Klinkersteinen verkleidet werden, so genügt die Probeabbildung eines Steines, um Farbe und Struktur über die gesamte Fassade des simulierten Gebäudes auszubreiten. Selbst Detailansichten – zum Beispiel ein Eingangsbereich mit den geplanten Beschlägen – sind möglich. Ist die Simulation fertiggestellt, wird sie über einen Vier-Farb-Laser auf Fotopapier belichtet. Das Ergebnis ist eine fotorealistische Ansicht, die vorgaukelt, daß das Gebäude tatsächlich existiert. Mehr und mehr werden solche Simulationen übrigens auch für den Innenarchitekturbereich durchgeführt. So zum Beispiel für Einkaufszentren.

Beste Zukunftschancen

Wie sieht die Zukunft der Architektursimulation aus? Dipl. Ing. Eginhardt Lisewski meint dazu, „Natürlich werden die Ideen nach wie vor im Kopf entstehen und auch weiterhin Baupläne gemacht werden. Architektursimulationen werden aber sicherlich zunehmend eine entscheidende Rolle in Planungs- und Genehmigungsverfahren oder bei der Entscheidung von Investoren für ein Projekt spielen. Aber auch wirtschaftliche Gründe sprechen für solche Simulationen. Wo reale Bilder schnelle Entscheidungen ermöglichen, können erhebliche Summen gespart werden.“ Der Erfolg der VAP zumindestens spricht für diese Ansicht. Doch man denkt dort bereits weiter. Video-Simulationen, die Spaziergänge durch das Gebäude ermöglichen sind bereits jetzt möglich. Hauseigene spezielle Software soll demnächst den Bereich der realistischen Lichtsimulation revolutionieren

Redaktion: Helmut Peters