Der digitale Tatort

Computergestützte Tat- und Unfallort-Auswertung beim LKA Düsseldorf

Noch hat die gute alte Tatortskizze per Hand nicht ausgedient. Doch Ansätze, Zeichnungen und Skizzen zur präzisen Beweissicherung über moderne technische Verfahren zu erstellen, gibt es jetzt im Landeskriminalamt (LKA) Düsseldorf. Dort hilft Kollege Computer bei der genauen Auswertung von Tat- und Unfallorten.

Das von der Firma Rollei entwickelte fotogrammetrische Messverfahren ermöglicht den Polizeibeamten die maßstabsgerechte Darstellung von Objekten und Örtlichkeiten, sowohl zwei- als auch dreidimensional. Erstmals eingesetzt wurde das System in Baden-Württemberg und findet nun nach und nach Eingang bei den LKA’s anderer Länder.

Mit einer speziellen geeichten Messkamera werden direkt am Tat- oder Unfallort aus einer erhöhten Position heraus Fotos aufgenommen. Die Kamera wird dazu auf ein etwa fünf Meter hohes Stativ montiert, um einen möglichst breiten Blickwinkel zu erzielen. Wo es erforderlich ist, nutzen die Beamten aber auch die Sicht aus dem Polizeihubschrauber, um die Fotos zu machen.

Damit später eine exakte Vermessung und Orientierung stattfinden kann, bringen die Polizisten am Tat- oder Unfallort zusätzlich einige deutliche Markierungen an und vermessen zwei Strecken „von Hand“.

Für eine präzise Messung werden mindestens drei Fotos benötigt. Dann beginnt die eigentliche Arbeit. Die erforderlichen Bildinformationen der Messbilder werden über einen Digitalisiertisch in einen Computer eingegeben und ausgewertet. Je nach den Anforderungen kann eine solche Auswertung mehrere Stunden dauern. Denn ehe eine aussagekräftige Zeichnung vorliegt, muss der Computer eine ungeheure Zahl von Rechendaten verarbeiten. Richtig spannend wird es erst, wenn aus den mathematischen Ergebnissen reale Aussagen werden.

So kann man zum Beispiel die exakte Lage von Spuren oder einen bestimmten Schusswinkel feststellen. Oder aber die berühmte Frage ,,Was wäre, wenn?“: Hypothetische Tathergänge können mühelos verifiziert oder widerlegt werden. Auch die Vermessung bestimmter Spurendetails wie Reifen- oder Schuhspuren und sofortige Entfernungs- und Höhenbestimmungen bis zu vier Kilometern sind ohne weiteres realisierbar.

Das LKA führt daneben aber auch Auswertungen von „ganz normalen“ Fotos aus. So können zum Beispiel Täter- und Schusswaffengrößenbestimmungen anhand von Fotos von Raumüberwachungsanlagen oder aber Einzelbilder von Unfallaufnahmen ausgewertet werden.

Die Auswertung der Messfotos kann zu jedem beliebigen Zeitpunkt erfolgen. Beispielsweise, wenn ein Gericht später in einer Verhandlung erneut bestimmte Details anfordert. Da es sich dabei um ein wissenschaftlich abgesichertes Verfahren auf der Grundlage mathematisch-physikalischer Gesetzmäßigkeiten handelt, ist es für Sachverständige jederzeit nachprüfbar. Dem Verfahren kommt also ein hoher Beweiswert zu.

Natürlich wäre es zu wünschen, wenn das neue Verfahren einen möglichst breiten Einsatz findet. Doch wie immer setzen Personal- und Kostenprobleme auch hier Grenzen, kostet doch schon die spezielle Messkamera allein 12.000 Mark. Immerhin sind in Nordrhein-Westfalen die kriminaltechnischen Untersuchungsstellen der Polizeipräsidien Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Köln, Münster sowie das LKA mit einer solchen Kamera ausgerüstet. Die Auswertung der Fotos erfolgt zentral beim LKA in Düsseldorf

Ganz so spannend, wie sich der Bürger die Arbeit der Kriminalpolizei vorstellt, ist der tägliche Einsatz am Computer nicht. Was jedoch bleibt, ist die Faszination, anhand von Tatortaufnahmen den Kollegen bei der Spurensuche zu helfen, präzise, nachvollziehbare Ergebnisse zu liefern und dabei hautnah am Geschehen zu sein.

Redaktion: Helmut Peters