Wohnungsbaugesellschaft Hellersdorf
Broschüre: Kunst in Hellersdorf
 
 
Leben in Hellersdorf
Ein junger Berliner Stadtteil und sein Engagement für die Kunst
 
Eine Dokumentation über Kunstobjekte und Kunstaktionen in Hellersdorf
 
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Impressum
 
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Inhaltsverzeichnis
 
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Vorwort
 
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Warum engagieren wir uns für Kunst?
Kunst erleben – Kunst erfahren
 
Kunst in Hellersdorf findet man an nahezu jeder Ecke. Da gibt es bunte Bilder und raffiniert gestaltete Objekte an den Hausgiebeln. Da findet man auf einen Blick markante Skulpturen und Bildhauerwerke, die unübersehbar einen Platz oder einen bestimmten Punkt im Quartier markieren. Kunst aber auch in den vielen grünen Außenanlagen der „Gartenstadt“ Hellersdorf. Mal ist es eine Phantasiemauer, mal ein Summstein, mal ein Wasserpilz. Kunst nicht zuletzt in Hauseingängen oder an anderen Stellen, wo Kunst eigentlich kaum vermutet wird.
 
Für die einen sind diese Kunstobjekte eine reine Verschönerungsmaßnahme. Für die anderen Objekte, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Wieder andere interessiert das alles überhaupt nicht.
 
Dennoch sind alle diese Kunstobjekte und Bilder, diese Ansichten und Aussichten, ein ganz wesentlicher Teil des Lebens in Hellersdorf. Die Kunst regt an und regt auf, sie inspiriert, verschönt oder zeigt dem Betrachter ganz neue Seiten auf. Sie ist wie eine neue Tapete, die einen in seinem individuellen Lebensraum umgibt, in der man sich wohlfühlt und mit der man Tag für Tag lebt.
 
Kunst in Hellersdorf ist ganz einfach der Versuch oder die Antwort, einem Stadtteil eine Persönlichkeit zu geben. Kunst ist dabei weder Dekoration, noch Beiwerk, sondern ein integraler Bestandteil de ganzen Bezirks. Kunst setzt sich dabei mit den Besonderheiten seiner Umgebung und der dort wohnenden Menschen auseinander. Kunst kann die Eindrücke verstärken, kommentieren oder aber auch ins Gegenteil wandeln. Kunst begleitet die Entwicklung genau dort, wo Kunst sich präsentiert.
 
Natürlich darf Kunst keine Theorie sein. Sie muß sich in der Praxis beweisen und entweder geliebt oder gehaßt werden. Sie muß vor allem von den Menschen angenommen werden. Das ist in Hellersdorf gelungen. Zumindestens in der Weise, daß die Bewohner von Hellersdorf sich mit ihrer Kunst auseinandergesetzt haben. In vielen Diskussionen, aber auch in vielen Mitmachaktionen. Kunst in Hellersdorf kommt also auch aus Hellersdorf, aus der Mitte seiner Bewohner heraus. Und vor allem die jungen Menschen in Hellersdorf haben begeistert daran mitgewirkt. Ein Beispiel dafür sind viele Graffitis an Wänden, Zäunen und Mauern.
 
Was also ist Kunst in Hellersdorf? Kein Mittel zum Selbstzweck, keine aufgezwungene „Kunst am Bau“ und noch weniger ein „Nichts“ inmitten pulsierender, aufstrebender Wohnbezirke und seiner Menschen. Kunst in Hellersdorf, das ist ganz einfach ein selbstverständlicher Bestandteil des Wohnens und Lebens in diesem Stadtbezirk. Ein Partner im Alltag, den man um nichts in der Welt missen möchte.
 
Wenn Kunst daneben auch ein Stück Zuhause ist, ein Stück Heimat, ein Zielpunkt, zu dem man immer gerne zurückkehrt, dann ist ein Teil des Engagements für Kunst in Hellersdorf sicherlich gelungen.
 
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Kunst statt Kieselgrau
Bunte „Giebellandschaft“ im Grabenviertel
 
In wohl keinem anderen Wohngebiet in Berlin gibt’s soviel Kunst gebündelt wie in Hellersdorf. Sogar an den Giebelwänden der Häuser. Im sogenannten Grabenviertel rund um die Spremberger Straße sind an 21 Giebeln Fassadenmalereien und plastische Gestaltungen zu bewundern. Damit ist das Grabenviertel in seiner Art sicherlich einmalig und unverwechselbar.
 
Die Basis-Idee
Basis für die Gestaltung der Giebelwände mit Kunst bildete das sogenannte „Quartierskonzept“. Ein Gutachten, das aufzeigt, wie den einzelnen Quartieren mit ihren verschiedenen städtebaulichen, landschaftlichen und historischen Elementen eine klare Identität zugeordnet werden kann. Eines dieser Quartiere ist das Grabenviertel, in dem Kunst ganz bewußt als Gestaltungselement empfohlen wurde.
 
Bereits 1993 hinterließen zwei Ost- und zwei Westberliner Künstler im Auftrag der WoGeHe aus sechs Hellersdorfer Fassaden ihre Handschrift. Im Frühjahr 1993 gab dann die WoGeHe den Startschuß für ein weiteres Kapitel in Sachen „Kunst am Bau“. In dieser mit einer technischen Wärmedämmung der Giebel verbundenen Aktion dienten 15 weitere 10 x 15 Meter große Giebelwände im Grabenviertel als Staffelei.
 
Gestaltungs-Wettbewerb
Der Auswahl geeigneter Entwürfe durch eine fachkundige Jury, in der auch Mietervertreter Stimmrecht hatten, ging ein Wettbewerb voraus, an dem sich 23 Künstler beteiligten. Die Jury achtete dabei ganz besonders darauf, daß nicht jeder Entwurf für sich alleine, sondern in einem Zusammenhang zum Viertel stand. Nach langen Diskussionen entschied sich die Jury für fünf Künstler(gruppen), einer aus dem Osten und vier aus dem Westen der Stadt.
 
Die Ergebnisse des Wettbewerbs wurden zugleich auch den Anwohnern im Rahmen einer Ausstellung im Kulturforum bekannt gemacht. Viele Hellersdorfer brachten dabei zusätzliche Anregungen für die Gestaltung mit ein und diskutierten mit den Künstlern.
 
Die künstlerische Linie
Trotz der Unterschiedlichkeit der Techniken, Materialien, Farben und dargestellten Inhalte sind die einzelnen Werke mit ihrer individuellen künstlerischen Handschrift deutlich sichtbar Teile einer Komposition für das ganze Quartier.
 
Für die Giebel mit einer besonderen Wirkung nach außen (Fernwirkung von der Hellersdorfer und der Alten Hellersdorfer Straße wählte man markante reliefartige Elemente bzw. Plastiken, die durch klare geometrische Formen und Farben Aufmerksamkeit erregen und die Monotonie der Gebäude aufbrechen.
 
Beim Übergang zum Graben in der Spremberger Straße werden die klaren Linien von geschwungenen, die eigentliche Form nur andeutende Linien und dadurch entstehende Flächen abgelöst. Das Thema „Kontakt“ wird in Variationen dargestellt. Dabei nutzte man bewusst die baulichen Anordnungen der Giebel für die künstlerische Aussage. Die Künstler „spielen“ dabei mit den verschiedenen Ansichten, die man aus unterschiedlichen Blickwinkeln hat.
 
Der Raum der Cottbusser Straße ordnet sich ebenfalls in das Thema „Begegnung bzw. Verflechtung“ ein. Hier sind es Figuren, die in Graffiti-Kunst ausgeführt, den Betrachter begleiten.
 
Fassadenkunst mit praktischen Maßnahmen verknüpfen
Bei der Durchführung der Gestaltungsmaßnahmen schlug man praktisch zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Fassadenkunst wurde grundsätzlich auf vorher wärmegedämmte Giebel aufgebracht. Das Nützliche der ohnehin notwendigen Endbeschichtung mit Putz und Farbe wurde dann auf optimale Weise mit dem Schönen verbunden.
 
So bunt wie das Leben selbst
Die Vielfalt der Fassadenkunst im Grabenviertel gibt dem Quartier ein wohl einmaliges Flair und eine Identität, mit der sich die dort wohnenden Menschen identifizieren können. Das Grau in Grau ist Form und Farbe gewichen. Hellersdorf ist so bunt wie das Leben selbst.
 
Giebel
Alte Hellersdorfer Straße 179
Spremberger Straße 12 und 18
Spremberger Straße 5,7, und 19
Cottbusser Platz 11
Die beiden Berliner Künstler Klaus Schmidt und Erika Klagge erarbeiteten ein gemeinsames künstlerisches Konzept. Ausgangspunkt ihrer Entwürfe war zum einen der Graben, der gleichzeitig trennende und verbindende Wirkung hat und zum anderen die fast dörfliche Atmosphäre, das nahe Beieinandersein der Menschen. Die Künstler leiteten daraus ihr Thema „Kontakt“ ab und wählten ein Motiv aus der Kunstgeschichte: Die Erschaffung Adams von Michelangelo aus dem Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle in Rom.
 
Erika Klagge stellt die Geste der Hände und die Beziehung der Blicke dar. Zwei Torsituationen, winkelig zueinanderstehende Wände sind dabei jeweils blau bzw. gelb, sehr hell und transparent gemalt. In diese Fläche ragen die Hände und Köpfe in der etwas dunkleren Farbe. Das ineinanderliegende Rechteck bedeutet einmal, daß die Körperfragmente Ausschnitte aus einem größeren Bildzusammenhang sind, zum anderen ist es eine geometrisch-formale Weise, ein Ganzes (das Wandformat) in zwei zu teilen – oder zwei zu einem Ganzen zu machen
 
Klaus Schmidt thematisiert die Bewegung der Körper zueinander. Auf zwei hintereinanderstehenden Giebeln ist die aufeinanderzugehende Bewegung der Körper Adams und des „Gottvaters“ dargestellt. Das Gesamtbild ergibt sich von einem Standpunkt vor dem Bezirksamt. Bei näheren Standorten verschiebt sich das Verhältnis der beiden Figuren zueinander, Kontakt als Bewegung.
 
Auf dem abseits liegenden dritten Giebel befinden sich die figürlichen Elemente, aus denen der Adam zusammengesetzt ist. Die Elemente – in einem einheitlichen, hellen türkisgrau lackierten Aluminium – sind nebeneinander, in senkrechter Position aufgereiht.
 
Die „Erschaffung“ erschließt sich dem Betrachter erst bei einem Spaziergang entlang des Grabens, der Raum wird zum Erlebnisraum.
 
Giebel
Alte Hellersdorfer Straße 10, 24 und 38
Die Grundidee der Gruppe Odious, bestehend aus den Künstlern Klaus Duschat, Klaus Hartmann und David Lee Thompson: Die Giebel nicht als bloße Bildträger, sondern als Teil der Architektur und dessen Umfeld zu betrachten. Deshalb hat Odious eine minimale plastische Lösung gewählt, die die Wand direkt einbezieht.
 
Ein senkrechtes und zwei unterschiedlich geneigte 14-16 Meter hohe feuerverzinkte Stahlrohre, von tiefschwarz bis hellblau lackiert, erzeugen direkt vor der Giebelwand einen Ablauf, eine Bewegung. Die Rohre ergeben je nach Tageszeit verschiedene Schattenlinien auf der Wand ähnlich einer Sonnenuhr.
 
Giebel
Hellersdorfer Straße 205 und 215
Die künstlerische Idee von Gisela Genthner: Zwei konstruktive Zeichen für Hellersdorf zu schaffen, die von der Ferne eine Signalwirkung entwickeln und für die Bewohner des Quartiers Erkennungszeichen darstellen. Sowohl von der Hellersdorfer Straße, der Riesaer Straße, der U-Bahn als auch von dem Gebäudekomplex hinter der Bahn sind beide Wände gut zu sehen.
 
Als Grundformen hat die Künstlerin ein Dreieck und ein Rechteck gewählt, die als Hintergrundmalerei für die plastischen Elemente dienen. Diese sind zollstockartig zu einem Zeichen geformt, jedes Element ist vier Meter lang. Die „Zollstockelemente“ wurden aus 3 mm starkem Aluminium hergestellt und pulverbeschichtet. Um eine Schattenbildung zu ermöglichen, wurden die Zeichen mit einem Abstand von 15 cm in die Wände verankert.
 
Giebel
Cottbusser Straße 38,70 und 71
Kastanienallee 9
Senftenberger Straße 17 und 43
Seine plastische Gestaltung an der Senftenberger Straße beschreibt der chilenische Künstler Cesar Olhagaray mit folgenden Worten: „Ein Kind steht auf dem Rücken eines pferdeähnlichen Tieres. Das Pferd steht stark und ruhig, ebenso das Kind auf dem Rücken. Beide zeigen ihren Stolz bei ihrem Spiel, oder will das Kind in der Höhe Antwort von einem Himmelsgeist fordern? Vielleicht will es nur die frische Luft, die über den Gebäuden schwebt, spüren.“
 
Die Edelstahlfiguren (ohne Farbanstrich) setzen sich aus elementaren geometrischen Grundfiguren zusammen.
Die Graffitis des Künstlers in der Cottbusser Straße nehmen das Thema „Begegnung“ auf. Die fünf gestalteten Giebel zeigen auf der ganzen Fläche verteilt teils ineinanderverschlungene Phantasiefiguren, die unbegrenzten Raum für die Interpretation bieten. Das „Beziehungsgeflecht“ der Bilder kann als dekorativer Wandschmuck aber auch als eine ereignisreiche Geschichte verstanden werden.
 
Die Graffitis sind frei auf die Wand gezeichnet und in Spritztechnik realisiert.
 
Giebel
Senftenberger Straße 35/37
Realisiert durch die Künstlerin Christina Allzeit aus Berlin
 
Giebel
Senftenberger Straße 9/11
Realisiert durch die Berliner Künstlerin Eva-Maria Hellmich.
 
Giebel
Senftenberger Straße 1
Realisiert durch den Künstler Stefan Fahrnländer.
 
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Schöner Wohnen
Kunst in Hauseingängen und Treppenhäusern
 
Der Eingang ist die Visitenkarte eines Hauses. Und wo sonst kann besser als anderswo für die Individualität eines Hauses sorgen. Für die Gebäude in Hellersdorf gab es dabei noch ein zusätzliches Argument. Die bisherige Monotonie, das triste Allerlei der Hauseingänge und Treppenhäuser sollte weichen. Die Häuser sollten erkennbar, unverwechselbar und einmalig sein. Die Kunst mußte hier eindeutig für mehr Attraktivität und für mehr Lebens- und Wohnqualität sorgen. Es sollte zukünftig Spaß machen, ein Haus zu betreten und darin zu wohnen.
 
Eine Aufgabe, die bei den hunderten von Hauseingängen und Treppenhäusern zunächst nicht leicht erschien. Um so erfreulicher die Resonanz einer Ausschreibung zur künstlerischen Neugestaltung der Hauseingänge und Treppenhäuser. Mehr als 100 Künstler wollten mit ihren originellen Ideen mitmachen. Eingereicht wurden dabei mehr als 650 Entwürfe. Die Palette reichte dabei von Malereien über Keramik- und Holzarbeiten bis hin zu Skulpturen aus unterschiedlichsten Materialien. Manche wollten die beispielsweise die Eingänge vollständig umkonstruieren oder bezogen sogar den ganzen Straßenzug samt Begrünung und neuer Beleuchtung in ihre Planskizzen mit ein.
 
Wichtig für die letztendliche Entscheidung war dabei auch, die Bewohner der Häuser in die Realisierungsphase mit zu integrieren. Denn die neugestalteten Hauseingänge sollten vorrangig natülich von den Benutzern akzeptiert werden. Die Künstler setzten sich dabei mit den Mietern in vielen Diskussionen auseinander.
 
Was sich heute in Hellersdorf an neugestalteten Hauseingängen und Treppenhäusern präsentiert, ist Vielfalt in ihrer schönsten Form. Freundliche, helle, einladene Eingangsbereiche; bunt und unverwechselbar; mit Formen und Farben individuell gestaltet. Kurzum, ein Zuhause, wo es Spaß macht zu wohnen und wo man sich einfach wohlfühlt.
 
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Mit Ideen gestalten
Kunst in den Außenanlagen von Hellersdorf
 
Kunst im Grünen, das ist zweierlei Genuß und typisch Hellersdorf. An vielen Stellen findet der Wanderer zwischen den unterschiedlichen Welten in Hellersdorf künstlerische Objekte. Und die stehen beileibe nicht für sich alleine, sondern sind immer integraler Bestandteil der gestalteten Anlage. Kunst hat hier den Zweck, sich mit Themen auseinanderzusetzen, markante Mittelpunkte zu schaffen oder einfach nur einen ruhenden Pol zu bilden. Wer aufmerksam durch Hellersdorf spaziert wird dabei immer neue Eindrücke gewinnen. Vielfalt ist dabei die Sicht, die Dinge immer wieder neu zu sehen.
 
Das Hellersdorfer Tor
Am „Hellersdorfer Tor“ an der Kreuzung Landsberger Allee und Stendaler Straße pulsiert das Leben. Es ist das Zentrum zum Einkaufen, Flanieren, zum Sehen und Gesehen werden. Hier trifft man sich, hier ist immer was los. Und so bestand denn das künstlerische Konzept darin, eine Gestaltung zu finden, die schon von weitem dazu einlädt, dieses Zentrum zu besuchen, neugierig zu machen auf das, was dort passiert. Kurzum eine markante Visitenkarte für den ganzen Bezirk zu schaffen.
 
Der Blickfang am Eingang zum Fußgängerbereich Tangemünder Straße wird zunächst von großen Säulenpappeln gebildet. Die Stendaler Straße wird über einen drei Meter breiten Promenadenweg mit der Einkaufspassage verbunden. Der Weg wird von modernen Lampen gesäumt.
 
Unterschiedlich große farbige Steinquader, die von der Straße aus gut sichtbar sind, bilden den Zugang zum Fußgängerbereich. Genau hier befindet sich auch das erste „Hellersdorfer Freiluftkino“. Zwischen den beiden größeren Quadern läßt sich nämlich schnell eine Leinwand aufspannen, auf der an lauen Sommerabenden Filmklassiker oder spannende Thriller zu sehen sein werden.
 
Brunnenanlage Cecilienplatz
Unübersehbar und dominierend, ein wenig verspielt und nicht zuletzt ein wirklich außergewöhnliches Bildhauer-Meisterwerk: Die Brunnenanlage auf dem „Cecilienplatz“ hinter dem U-Bahnhof Kaulsdorf Nord. Geschaffen von dem Bildhauer Kai-Uwe Dräger.
 
Zwei gewaltige Granitsäulen, beide rund 6 Meter hoch und circa 22 bzw. 17 Tonnen schwer, erheben sich über dem Gelände. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, daß sich beide Säulen optisch erheblich unterscheiden. Die Säulen sollen dabei die verschiedenen Kräfte erlebbar machen, die in dieser städtebaulichen Situation wirken. Neben dem „Granittor“ gehören dazu eine sogenannte Wasserachse und ein Quaderblock aus Kalkstein. Vier wassersprühende Türme im Zentrum des Platzes, verbunden durch eine Stahlbrücke, die einen „Wasservorhang“ herablassen, komplettieren das Ensemble.
 
Einzigartig auch die Gestaltung des „Cecilienplatzes“ selbst, die nach den Plänen der Landschaftsarchitektin Barbara Hanke erfolgte. Sie gliederte die 12.000 Quadratmeter große Freifläche optisch in drei Bereiche auf: Vorplatz, Hauptplatz und seitliche „Bewegungsräume“.
 
Wer den Platz durch die beiden Granitsäulen hindurch betritt, kann den Eindruck gewinnen, durch eine sich weit öffende, große Pforte zu gehen, die urplötzlich den Blick auf eine reizvolle Wohnlandschaft freigibt.
 
Spiel- und Erholungspark Zossener Straße
Kunst hat viele Facetten. Im Spiel- und Erholungspark an der Zossener Straße kann man dies gut entdecken. Kunst läßt sich hier sozusagen „mit allen vier Sinnen“ genießen. Es duftet nach Lavendel und Jasmin, es gibt einen „Summ-Stein“, mit dem sich Klänge zaubern lassen und eine Phantasiemauer. Man kann verschiedene Materialien und Strukturen ertasten, sich Früchte von Obstbäumen schmecken lassen und vieles mehr. Der Spiel- und Erholungspark ist damit Kunst zum Anfassen und Genießen.
 
Betonkugeln am Kummerower Ring
Betonkugeln verschiedener Größe schlagen am Kummerower Ring gleich Meteoriten in eine Betonplatte ein und brechen sie auf. Dazwischen ziehen sich sichelförmige Bänder aus Granitpflasterungen und Heckenbänder, durch die die gesamte Umgebung charakterisiert wird.
 
Hinter dem Objekt steht die Realisierung der künstlerischen Idee, die vorhandene Betonplatte bewußt nicht zu entfernen, sondern den Umbruch und Neubeginn Berlins optisch im Aufbrechen des Vorhandenen – also der Betonplatte – zu symbolisieren.
 
Aufgebogener Weg im Stadtplatz am Teterower Ring
Ebenfalls für die Veränderungen und den Umbruch in Berlin steht der sogenannte „Aufgebogene Weg“ zwischen Teterower Ring und Cecillienstraße.
 
Das Kunstobjekt bezeichnet das Ende des leicht geschwungenen, landschaftlich gestalteten, Fußwegs zwischen den Parkplätzen am Teterower Ring, der in den Stadtplatz mündet. Der Weg findet hier Widerstand im regelmäßig gebauten Quadrat des Stadtplatzes und bricht dann an einer Säule des Platzes, die sich ihm in den Weg stellt.
 
Der Weg bäumt und biegt sich auf. Die Säule setzt ihm dabei Widerstand entgegen, weicht aber der Gewalt. Sie wird fast umgestoßen, aber optisch im Fallen festgehalten. Der bis hierhin verlaufende regelmäßige Plattenbelag löst sich unter dem aufgebogenen Weg auf und wird ersetzt durch Chaospflaster.
 
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Markante Punkte
Groß-Skulpturen in Hellersdorf
 
Sie sind eigentlich unübersehbar, die drei Gross-Skulpturen, die die Ortseingänge nach Hellersdorf markieren. Jede Skulptur setzt für sich ganz besondere Zeichen. Alle repräsentieren drei unterschiedliche Positionen in der zeitgenössischen Kunst und verwirklichen ein Konzept, das untereinander eine gedankliche Verbindung herstellt.
 
Definiert man „Stadt“ als ein architektonisches und soziales Gebilde, dann sollte Kunst auch die Beziehungen zwichen den Menschen und ihrer Stadt thematisieren. Und so bilden denn auch die drei Parameter „Mensch“, „Raum“ und „Bewegung“ die Grundthemen für die drei Skulpturen in Hellersdorf.
 
Die Vorüberlegungen
Um von den allgemeinen Ansätzen zu einer bestimmten künstlerischen Idee zu kommen, mußte zunächst eine präzise Analyse der vorgesehenen Standort vorgenommen werden.
 
Am östlichen Stadteingang an der Riesaer Straße gab es keinen klaren Übergang von der Bebauung in die umgebende Landschaft. Die gesamte städtebauliche Situation war diffus und optisch unruhig: Straßenbahnleitungen, Lichtmasten und Tankstellenreklame bildeten ein Gewirr von aufstrebenden optischen Zeichen.
 
Die Grünplanung entwickelte daher eine gebogene Baumreihe, die am Rande der Stellplätze für die Anwohner eine grüne Grenze bildet. Ein relativ kleiner, rechteckiger Rasenplatz sollte als Standort für die Skulptur dienen.
 
Das passende Kunstwerk hier mußte ebenso groß und monumental, wie aber auch Durchsichtig und leicht wirken. Diese Voraussetzungen waren die Basis für die Entscheidung, hier das Thema „Mensch“, genauer „Körper“, im Sinne einer konstruktiv-figurativen Position anzusiedeln. Die Wahl fiel dabei auf den Vorschlag von Frank Dornseif mit seinem Kunstwerk „Der Zeichner“.
 
Eine ganz andere Situation am westlichen Stadteingang Cecilienstraße. Hier führt die Autotrasse von Marzahn kommend in die Stadt hinein. Sie durchschneidet das Wuhetal und folgt dabei dem Landschaftsprofil. Der Ankommende hat dadurch einen langen, ziemlich symetrischen Blick auf die Stadt, die sich hier klar abgegrenzt präsentiert. Das Thema „Raum“ sollte hier Gestaltung finden.
 
Hier entschied man sich für einen Vorschlag von Inge Mahn, die einen Stadteingang in Form einer architektonischen Skulptur als „Steinerner Turm mit Wetterhahn“ symbolisiert.
 
Nicht zuletzt mußte noch eine Lösung für den südlichen Stadtbereich – Kreuzung Hellersdorfer und Gülower Straße – gefunden werden. Die belebte Kreuzung wird dabei überwiegend von fahrendem Verkehr passiert. Und so lag es denn nahe, hier das Thema „Bewegung“ anzusiedeln, für das eine kinetische Edelstahlskulptur von Rolf Lieberknecht ausgewählt wurde.
 
Alle drei Skulpturen setzen jede auf ihre Weise ein ganz besondres Zeichen für Hellersdorf. Sie sind ein visuelles Angebot für die Bewohner und Besucher der Stadt, die damit ein unverwechselbares „Gesicht“ erhält.
 
Ein „Turm mit Wetterhahn“ für die Cecilienstraße
Direkt an der äußersten Grenze von Hellersdorf, an der Grünzone Wuhetal findet man dieses weithin sichtbare Kunstwerk. Einen Turm mit Windrose und Wetterhahn. Ein Wahrzeichen, Wegzeichen oder Wegwächter. Nachts hell erleuchtet. Klar, einfach und einprägsam in der Form. Professor Inge Mahn, Professorin für Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, wollte eine architektonische Plastik, die nicht in Konkurrenz zu anderen Arrchitekturen steht, die die Senkrechte betont und die eben ein Turm, eine Säule oder ein Ausguck ist. Bezogen auf den bäuerlichen Ursprung von Hellersdorf folgt der Dachaufsatz bäuerlicher Tradition. Die Windrose ist ein Kreuz, dessen vier Enden die Himmelsrichtungen anzeigen. Waagerechte und Senkrechte (männlich und weiblich) verbindend ist es ein kosmisches Zeichen. Darüber steht eine vergoldete Kugel, die sowohl Sonne als auch Mond symbolisiert. Ganz oben dann der Hahn; er dreht sich als Wetterhahn und gilt als Sonnenvogel, der gegen Feuer schützt, als Wächter, weil er morgens weckt, sobald es dämmert.
 
Ein „Windspiel“ an der Gülzower Straße
Professor Rolf Lieberknecht, Professor an der weithin bekannten Folkwang-Schule der Universität Essen, ist durch seine bildhauerischen Arbeiten weltweit bekannt. Er schuf die windkinetische Skulptur an der Gülzower Straße. Die vom Wind animierte Skulptur entfaltet ihre dreidimensionale Wirkung durch ihre raumgreifenden Bewegungen ihre kinetischen Elemente. So entsteht im Wechselspiel von Balance und Schwerkraft eine zeichenhaft lyrische Choreografie von schwingenden und kreisenden Rhythmen, unvorhersehbar und miteinander korrespondierend, ein unaufhörliches tänzerisches Ausweichen vor der Einwirkung des Windes.
 
Über einem leicht geneigten statischen Basiselement trägt ein exzentrisch rotierendes Mittelteil einen frei um eine Schrägachse pendelnden Flügel. Die insgesamt 18 Meter hohe Skulptur aus nichtrostendem Stahl ist auf einem 4 Meter hohen Sockel plaziert. Der Durchmesser des Bewegungsraumes beträgt circa 10,4 Meter. Als urbanes Stadtzeichen ist das „Windspiel“ weithin sichtbar und setzt ebenso wie alle anderen Kunstwerke ein besonderes Zeichen in Hellersdorf.
 
„Der Zeichner“ an der Riesaer Straße
Frank Dornseifs Großskulptur „Der Zeichner“ an der Riesaer Straße markiert einen der Ortseingänge von Hellersdorf. Die Größe der Figur verleiht ihr Präsenz im Verhältnis zu den blockhaften Gebäuden. Gleichzeitig aber erlaubt die auf ihr Gerüst reduzierte Figur auch Durchblicke auf das, was hinter ihr liegt und was sich um sie herum befindet.
 
Die Figur des „Zeichners“ (8 Meter hoch, 8 Meter tief und 18 Meter lang) steht auf einer Stahlplatte in der Form ihres eigenen Schattenbildes, das im Gegensatz zu der Skeletthaftigkeit der Figur deren fleischliche, vollkörperliche Projektion darstellt. Diese Konfrontation einer zeichenhaften, auf ihr Gerüst reduzierten und trotzdem vollplastischen Figur mit ihrem zweidimensionalen Schatten, ist ein Thema, das der Künstler Frank Dornseif immer wieder aufgreift und neu bearbeitet. Es beinhaltet die Konfrontation von Innenwelt und Außenwelt oder das Wechselspiel zwischen realem und möglichem Sein. Ein Kunstwerk also, daß zum Nachdenken zwingt, an dem man sich aber auch einfach nur so durch seine Form und Ausdruckskraft erfreuen kann.
 
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Verwandlungskünste und Lichtobjekte
Aktionskunst in Hellersdorf
 
Aktionskunst lebt von Ideen und Anstößen. Sie läßt etwas vollkommen Neues entstehen, das reizt: Zum Nachdenken, zum Schmunzeln, zur begeisternden Annahme oder zur totalen Ablehnung. Aktionskunst lädt aber auch ein zu Spiel und Spaß und zur Beschäftigung mit faszinierenden neuen Welten. Aktionskunst „Made in Hellersdorf“ ist nicht zuletzt ein Ereignis und Erlebnis für die Bewohner des Bezirks. Ein Aufeinandertreffen verschiedenster Meinungen, die unter dem Strich eigentlich immer in einer Aussage enden: „In Hellersdorf ist immer Aktion.“ Und das sicherlich im wahrsten Sinne des Wortes.
 
Die Weihnachtsbaumaktion
Der Weihnachtsbaum als Kunstobjekt? Eine verwegene Idee der WoGeHe, die jedoch von Berliner Aktionskünstlern begeistert aufgenommen wurde. Zehn 15 Meter hohen Christbaumriesen, die ansonsten nach Weihnachten einfach der Entsorgung zugeführt werden, hauchten die Künstler neues Leben ein.
 
Was draus entstand? Nun, Interpretation war erlaubt, Nachdenken gewünscht und ein Lächeln ausdrücklich empfohlen. Die Bäume setzten Zeichen – ob es nun Frage- oder Ausrufezeichen waren, blieb dem Betrachter überlassen.
 
Baum Zossener Straße
„Kunst soll nicht nur an den Wänden hängen, sondern vielerorts erlebbar sein. Für mich stand das Schmücken des Baumes auf originelle Weise im Vordergrund“, interpretierte die Berliner Künstlerin Christina Allzeit ihre Kreation. Und so entstand ein Puzzle aus zwölf bunt bemalten Holzkisten. In fröhlichen Farben fanden sich darauf ein Clown, Dinos, Früchte, ein Walfisch, eine Sternenkarte und Sternzeichen. Mit den kräftigen Farbtupfern wollte Christina Allzeit Lebensfreude und Optimismus in den Alltag zaubern. Was ihr sicherlich auch gelang. Denn immerhin waren die kleinen Kunstwerke so begehrt, daß sie schon innerhalb kurzer Zeit verschwunden waren.
 
Baum Cecilienstraße
Für die Künstlerin Eva Maria Hellmich ging es darum, den Baum als Symbol des Lebens zu erhalten. Und so gestaltete sie den Hellersdorfer Vogelbaum. Dazu holte sie sich sogar fachlichen Rat von den Revierförstern in Berlins grüner Umgebung. Meisenringe und Knödel, Futtertöpfe und Nistkästen sollten dafür sorgen, daß es in dem Geäst recht lebhaft zugeht. Die Vögel jedenfalls, die während dieser Zeit in Hellersdorf überwinterten, fanden an dem reichhaltigen Nahrungsangebot des Vogelbaums großen Gefallen – zur Freude vieler Anwohner. Freuen konnten sich aber auch wenige Zeit später Hellersdorfer Kindergärten und Schulen. Sie erhielten die Vogelhäuschen des Baumes als Geschenk.
 
Bäume Alte Hellersdorfer Straße, Cottbusser Platz und Louis-Lewin-Straße
Gleich an drei Plätzen in Hellersdorf beschäftigte sich der Künstler Wieland Bauder mit dem Thema „Verletzte Natur“. Um zu verdeutlichen, daß die einzelnen Skulpturen stellvertretend für einen größeren Zusammenhang stehen, hat Bauder die Äste abgeschlagen und den Stamm geweißt.
 
Die Bäume in der Gotaher Straße und am Cottbusser Platz zersägte er und fügte danach die beiden Stammhälften mit Hilfe eines dicken Taus wieder zusammen. Dabei setzte der die „Unbeholfenheit“ des Versuchs der Wiederherstellung der natürlichen Form des Baumes ganz bewußt als Gestaltungsmittel ein. Rot gefärbte Schnittflächen symbolisierten die verletzte, „blutende“ Natur“.
 
An der Skulptur in der Böhlener Straße fand der Betrachter 15 Warnschilder „Offenes Feuer verboten!“. Ein Appell Wieland Bauders gegen die Brandrodung. Nachdenken war also bei den Kunstobjekten Bauders gefragt. Die Darstellung seiner Objekte regte dazu an.
 
Baum Hellersdorfer Straße
Einen Baum voll mit Windmühlen gestaltete der Künstler Heini Linkshänder. Eine Name übrigens, der nicht von ungefähr kommt. Heini Linkshänder hat in der Tat bei einem Unfall den rechten Arm verloren. Er nannte sein Thema „Ich denke, was ich tu und was machst Du?“ Die Windmühlen am Baumstamm sind für Linkshänder ein Symbol dafür, wie schnell (und leicht?) man bereit ist, seine Meinung zu ändern. Was Linkshänder grundsätzlich von seinem Publikum erwartet? Die Bereitschaft nachzudenken und zu schmunzeln – vor allem über sich selbst. Nur ein Originalzitat: „Manche Worte sind wie Steine, die nicht untergehen.“
 
Bäume am Bezirksamt, in der Stendaler sowie Quedlinburger Straße
Der Künstler Pee Rattey gehörte sicherlich zu den Fleißigsten der der Weihnachtsbaumaktion. Gleich vier Bäume nahm er für seine Kunst unter seine Fittiche. Rattey will provozieren – zum genaueren Hinsehen, zum Auseinandersetzen mit Problemen und Zuständen unserer Zeit. Dafür bieten seine Skulpturen durch Form, Farbe aber auch Titel sicherlich Reibungspunkte genug. Mit der Leichtigkeit und hintergründigen Heiterkeit seiner Kreationen will er nicht zuletzt zu einem Lächeln ermuntern.
 
Innerhalb kurzer Zeit schuf Rattey mit fleißigen Helfern viel bestaunte Objekte. Den „Hellersdorfer Nadelbaum“ zum Beispiel, der geradezu zum Widerspruch einlud. Die „Hellersdorfer Freiheitsstatue“, mit der Rattey das Klischee der Freiheit aus seiner Sicht definierte. Und nicht zuletzt zwei „Windmobile“, mit denen der Künstler zeigen wollte, daß Kunst auch den Sinn hat, nur sich selbst darzustellen und somit neue Formen hervorbringen kann.
 
Die Hellersdorfer Lichtbrücke
Zu einer weit über die Grenzen Hellersdorf hinaus beachteten Kunstaktion wurde die „Hellersdorfer Lichtbrücke“. An einem Erntefestwochenende konnten die Besucher dabei nach Einbruch der Dunkelheit ein faszinierendes Ereignis erleben. Auf einige Häuserfassaden rund um den Cottbusser Platz wurden geometrische Figuren projeziert, Symbole, Porträts, bizarre Gebild; ständig wechselnde Bilder in Farbe und Schwarz/Weiß. Der an sich freie Raum hatte plötzlich ein Gesicht, geprägt von tausenden von Lichtstrahlen.
 
Eine Gruppe von Künstlern aus vier Ländern gestaltete dieses Spektakel. Ziel sollte es sein, dem mit künstlerischer Giebelgestaltung aufgewerteten Grabenviertel eine weitere Dimension hinzuzufügen. Keine Malerei, keine plastischen Elemente – keine Arbeiten der Bildenden Kunst im üblichen Sinne.
 
Die Idee kam schließlich von dem Grafiker und Designer Gleb Gamasin. Er wollte mit Hilfe von kunstvoll verknüpften Lichtreflexionen Architektur und Freiräume in einem neuen Licht erscheinen lassen. Den Einsatz solcher Stilmittel hatte Gamasin schon öfters erprobt. Diesmal nun scharte er für die Verwirklichung der „Hellersdorfer Lichtbrücke“ eine internationale Künstlergruppe um sich – darunter Modellbauer, Holzgestalter, Designer und Architekten. In die Vorbereitung wurden übrigens auch Schüler und Schülerinnen der 2. Hauptschule in Hellersdorf einbezogen. Die jungen Leute waren dabei mit Feuereifer bei der Sache.
 
Als es dann hieß „Licht aus, Spot an“ bot sich für den Betrachter eine Kunstaktion der besonderen Art. Bilder, Formen, Farben, Lichtstrahlen wechselten wie im Fluge. Immer neue Ansichten und Eindrücke entstanden. Die „Hellersdorfer Lichtbrücke“ war damit ohne Zweifel ein Kunsterlebnis, an das man noch lange zurückdenkt.
 
Seiten 28-31:
 
Graffiti-Kunst in Hellersdorf
Junge Künstler ganz groß
 
Kunst und Wohnen gehört zusammen. Deshalb lag es auch nahe, ebenfalls mit Graffiti künstlerische Akzente zu setzen. Dies zumal Hellersdorf ein Stadtbezirk der Jugend ist. Und die artikuliert sich mit dieser jungen Kunstform überall auf der Welt an Häuserwänden, Hofdurchgängen und anderen Stellen, wo große Flächen ganz einfach reizen, mit der Farbsprühdose tätig zu werden.
 
Graffiti und Graffiti aber sind zweierlei Welten. Da gibt es die Kunstform Graffiti und auf der anderen Seite wilde, verbotene Schmierereien. Und genau letzteres darf nach wie vor nicht geduldet werden. Gleichwohl müssen den jungen Leuten dennoch Alternativen geboten werden, um ihre Graffiti-Kunst zu „leben“. Und genau das hat die WoGeHe den jungen Bewohnern in Hellersdorf ermöglicht.
 
Die Idee: Eine Kunstform zu fördern und dabei gleichzeitig die Kunstaktivitäten der jungen Graffiti-Künstler in geordnete und sinnvolle Bahnen zu lenken. Grafiti in aller Öffentlichkeit: So hieß das Ziel.
 
Graffiti als Kunstform
Was steckt nun hinter dieser Kunstform Graffiti? Eine völlig klare Definition ist selbst den Fachleuten kaum möglich. Zuviel verschiedenes wird darunter verstanden. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten: Graffiti befinden sich in der Regel an´der Wand. Und ob man es nun wahrhaben will oder nicht – das gilt sowohl für die Höhlenzeichnungen als eine der frühesten Äußerungen menschlicher Kultur wie auch für die Schmäh- und Sinnschriften, aus denen Archäologen Rückschlüsse auf den Alltag der plötzlich von Lava und Asche verschütteten römischen Stadt Pompeji ziehen.
 
In der Aufzählung der Graffiti-Arten dürften – so sehen es jedenfalls die Fachleute – auch Namenszüge auf touristische Sehenswürdigkeiten ebensowenig fehlen wie das, was man gemein darunter versteht: Die Schriftzeichen an Hausfassaden, U-Bahnen, etc.
 
Der Wand etwas anvertrauen
Wer der Wand etwas anvertraut, möchte in der Regel auch etwas sagen, wozu ihm oft andere Möglichkeiten fehlen. So kannten die italienischen Staaten der Renaissance beispielsweise eine institutionalisierte Form der Graffiti. Wände, die Gebeten, Polemiken oder anderen Aussagen Raum gaben. Allerdings kam eine solche Freigabe der Wand immer nur in begrenztem Umfang und an bestimmten Orten in Frage.
 
Graffiti in aller Öffentlichkeit
Graffiti ist also durchaus eine anerkennenswerte Kunstform. Allerdings gibt es nur wenig offiziell dafür zur Verfügung stehenden Raum. Also wird von den jungen Künstlern oft verbotener Weise auf irgendwelche Hauswände gesprüht, mit dem Ergebnis, daß hier natürlich auch Eigentumsrechte verletzt werden. Ganz absehen davon, daß gerade an dieser Stelle Graffiti erwünscht oder aber gestalterisch sinnvoll erscheint.
 
Warum also nicht von vornherein jungen Künstlern Raum für ihre Graffiti-Kunst schaffen? Eine Idee, die die WoGeHe mit viel Erfolg durchgeführt hat. Graffiti ganz offiziell genehmigt im öffentlichen Raum. Eine Sache, die allen Beteiligten viel Spaß gemacht und nicht zuletzt oft genug zu anspruchsvoller Graffiti-Kunst geführt hat. Selbst wenn man über dieses und jene Graffiti-Bild natürlich – wie bei Kunst überhaupt – streiten kann.
 
Grafiti-Boulevard
Zu den vielen Graffiti-Aktionen in Hellersdorf zählte beispeilsweise der sogenannte Graffiti-Boulevard. Ein rundum gelungenes Graffiti-Fest, bei dem es im Rahmen eines Wettbewerbs darum ging, Sprühkreationen zunächst einmal auf große Pappwände zu zaubern. Die Statistik wies hier immerhin 50 eigenschriebene Teilnehmer aus.Die Zahl aller Sprüher war jedoch weitaus höher.
 
Die Aktion war zugleich ein „Nachbarschaftsfest“ aller Hellersdorfer.Für die Kleinen gab’s Hüpfburgen, für die Großen Sekt und Freibier, für den Magen Erbsensuppe und nicht zuletzt ein buntes Unterhaltungsprogramm für alle.
12 muntere Hellersdorf-Kids kamen mit ihren Werken in die Endauswahl. Sie hatten die Chance, ihre Sprühkreation ganz offiziell in Hofdurchgängen oder auf Hausfassaden in Hellersdorf zu verwirklichen.
 
Graffiti in Hauseingängen
Über zehn Hofdurchgänge sind zwischenzeitlich mit bunter, farbenfroher Graffitikunst versehen worden. Graffiti von Hellersdorfern für Hellersdorf. Und das Ergebnis beweist, wie faszinierend Graffiti sein kann, wenn Flächen nicht hingeschmiert, sondern tatsächlich ohne Angst vor dem Erwischtwerden von den jungen Künstlern gestaltet werden können.
 
Graffiti am Bauzaun
Auch Bauzäune sind natürlich ein ideales Betätigungsfeld für Graffitikünstler. Und von Bauzäunen gab es ja während der vielen Baumaßnahmen in letzter Zeit genug. Grund genug, für diese Flächen ebenfalls eine Graffiti-Aktion ins Leben zu rufen. Eine Aktion für kleine und große Künstler. Und nicht zuletzt ein sinnvolles Angebot zur Freizeitgestaltung Jugendlicher.
 
Das Ergebnis dieser Aktion war überwältigend. Über 300 Beteiligte verwandelten den tristen Bauzaun in einen farbenfrohe, bunte Fläche. Da konnte man staunen über realistisches, zeichnerisches Talent oder aber auch darüber sinnieren, was die Künstler allein mit Form und Farbe ausdrücken wollten. Es gab viel zu Schmunzeln und auch einiges durchaus Nachdenkenswertes.
 
Der bunte Bauzaun ist irgendwann natürlich verschwunden. Was geblieben ist, ist die Begeisterung sich mittels der Graffiti auszudrücken. Träume, Hoffnungen und Wünsche können sichtbar werden. Bei Graffiti auf jeden Fall.
 
Graffiti in Außenanlagen
Die Möglichkeit, offiziell Raum für Graffiti zu schaffen, darf sich nicht auf einmalige Aktionen beschränken. Deshalb wurden auch in den Außenanlagen in Hellersdorf an bestimmten Stellen Flächen geschaffen, die offiziell als Sprühwand freigegeben sind und wo sich Graffitibegeisterung austoben kann. In den meisten Fällen gehörte die Einrichtung einer Sprühwand schon von vornherein zum Konzept der Planer und Gestalter.
 
Überwiegend positiv
Natürlich ist es nicht immer jedermanns Geschmack, was da in bunter Vielfalt auf den Wänden entstanden ist. Aber ist es nicht besser, Jugendlichen ein Angebot zu schaffen als ihnen durch ständige Verbote den notwendigen Freiraum zu nehmen? Ist es nicht ein positives Zeichen, wenn Graffiti das Leben an sich etwas bunter und farbenfroher macht statt alles immer nur Grau in Grau zu sehen? Der überwiegende Teil der Hellersdorfer sagt hier eindeutig: Ja!
 
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Text/Redaktion: Helmut Peters