Ganz meine Meinung…

Glosse: Wieviel Werbung braucht die Immobilienbranche?

Jede Branche bekommt das, was sie verdient. „Immobilien-Lästermaul“ Helmut Peters spießt diesmal die Immobilienwerbung auf, liest wie deutsche Immobilien-Profis werben und denkt sich dazu sein Teil.

Die Werbung der Immobilienbranche ist eine Begegnung der besonderen Art. Schaut man in den Blätterwald deutscher Zeitschriften und Zeitungen und pickt sich dort die zahlreichen Immobilienanzeigen heraus, dann bekommt fast jeder professionelle Werbemensch automatisch eine Gänsehaut. Dieses sogenannte „Bleiwüsten-Syndrom“ wird verstärkt durch die Unübersichtlichkeit der Angebote, die Unmöglichkeit Vergleiche zu ziehen und das Wissen, dass die Hälfte der dort stehenden Werbeversprechen doch irgendwie gelogen sind. Auf jeden Fall weiß man bei Immobilienanzeigen fast nie, was denn nun genau dahintersteckt.Doch weil Immobilien – sprich Haus oder Wohnung – so etwas Lebenswichtiges an sich haben, liest man die an amtliche Verlautbarungen anmutenden Informationen der Makler nun denn doch.

Immerhin – der Mensch braucht seine Höhle zum Wohnen, ein Dach über dem Kopf, wie komfortabel es darin oder darunter auch immer sein mag. Dennoch, liebe Immobilienbranche, irgendwann wird sich auch der Makler endgültig dem Wettbewerb richtig stellen müssen. Halt, werden da einige rufen, das tun wir doch heute schon. Und vergessen dabei Radio Eriwan: Im Prinzip ja, aber…   Kann ja auch sein, dass ich vielleicht die falschen Makler kenne. Die ich aber kenne, bei denen läuft’s – ob nun Konjunktur rauf oder runter – eigentlich immer zu allen Zeiten gut. Gewiss, man muss halt etwas mehr reden, etwas mehr überzeugen, etwas mehr bieten. Aber im Vergleich zu früheren Zeiten ist diese Steigerung der Kundenwerbung eigentlich minimal. Das, was ein Makler heute dem Kunden an Service bieten muss, wäre gestern schon selbstverständlich gewesen.  

Ganz Clevere haben dennoch die modernen Methoden von Werbung und PR für sich entdeckt. Da gibt es zum Beispiel Wohnungsbaugesellschaften, die PR-Maßnahmen dafür nutzen, um mehr Mieterbindung zu erreichen. Wohlwissend, dass jeder Mieterwechsel einfach eben Geld kostet. Oder da gibt es Makler im Bereich Gewerbeimmobilien, die ihre Objekte werblich unterstützen. Wohlwissend, dass der Kunde nur dann bei der Stange bleibt, wenn auch die Immobilie Anziehungskraft hat. Und da gibt es nicht zuletzt den kleinen Makler, der mit viel Werbeideen auch die ungünstig gelegene Eigentumswohnung an den Mann bringt.Sich um den Kunden bemühen, ist schon schwierig genug. Ihn wirklich zu kennen, noch schwieriger. Doch woher will man all dieses Wissen nehmen. Makler sind Kaufleute, weniger Werbemenschen oder Marketingmanager.  

Aber da gibt es ja auch Hilfe auf dem Buchmarkt. Eine dieser Hilfen habe ich letztens auf den Schreibtisch bekommen. „So werben Immobilienprofis“ lautet der Titel des rund 200 Seiten starken Werkes aus dem Rentrop-Verlag. Die Autoren: Leider keine Werbemenschen, sondern laut „Klappentext“ Immobilienprofis. Merkwürdig dabei, dass der eine davon heute mehr dem Autohandel als dem Immobilienverkauf verbunden ist.   Mehr als bis Seite 39 sollte man allerdings dieses Buch nicht lesen. Dort steht nämlich genau die Empfehlung, die das Buch eigentlich überflüssig macht „Werbeagenturen entwickeln Ihnen, preisgünstiger als Sie vielleicht denken, einheitliche Werbekonzepte, …..“ Man hätte ergänzen müssen, dass man ja auch den Installateur ruft, wenn das Klo verstopft ist.  

Auch von der kreativen Seite ist in dem Buch wenig zu finden. Es sei denn, man finde eine Musteranzeige für den Verkauf eines EFH mit dem Slogan „In 3 Wochen können Sie sehen, wie Julia K. Rehrücken mit Wacholdersoße in einer nur 9 m2 großen Küche für 8 Personen zubereitet.“ toll. Also, liebe Autoren, das möchte ich denn nun als Hobbykoch denn doch nun mal ganz gerne sehen. Auch würde ich dann gerne, wie auf Seite 171 vorgeschlagen, daß mich dann einer aus dem Maklerkreis als Journalist einlädt, einen Tag mit meiner Gattin im Hotel Residenz zu verbringen, nur damit ich erfahre, was Makler X die letzten Jahre gemacht hat. Irgendwie alles praxisfern.   Aber keine Angst: Es gibt Gastwirte, die machen eine Kneipe auf, weil der Mensch zu allen Zeiten isst und säuft. Makler dagegen wissen, dass der Mensch wohnen muss und Eigentum besitzen möchte. Ist doch schön, wenn alles von selbst läuft. Also warum reden wir dann über Werbung?  

Redaktion: Helmut Peters