„Berlin tut gut!“

Ein Porträt des Hünnebeck-Managers Klaus-Uwe Lorenz

„Berlin tut gut. So oder so!“, meint Klaus-Uwe Lorenz und blickt dabei auf das Gelände der Großbaustelle „Französisch Buchholz“ in Berlin, wo praktisch ein neuer Stadtteil entsteht. Mit über 2900 Wohnungen, Grundschule und Jugendfreizeitheim, Geschäften und anderen Einrichtungen. Lorenz weiß seit gut 25 Jahren, warum Berlin gut tut. So oder so!

Immerhin hat der erfahrene Manager von Thyssen-Hünnebeck ein gehöriges Stück Geschichte der Stadt Berlin direkt vor Ort miterlebt und – was viele Bauten in Berlin betrifft – mitgeschrieben. Berlin ist für ihn ein Stück Lebensgeschichte, ein Stück Heimat und nicht zuletzt ein wichtiges Stück beruflichen Engagements für ein Unternehmen, für das er seit 35 Jahren tätig ist: Die Thyssen-Hünnebeck GmbH.

Schalungen und Gerüste: Faszination von Anfang an

Schalungen und Gerüste, das Spiel mit teilweise Millionenaufträgen, dass war Klaus Lorenz sicherlich so nicht in die Wiege gelegt worden. Auch dass aus einem gebürtigen Niederrheiner einmal ein waschechter Berliner werden sollte, hat Lorenz wohl kaum so geplant. Es waren Zufälle, Entwicklungen und überraschende Ereignisse, die Klaus Lorenz dahin führten, wo er nun heute eben mal steht und arbeitet.

In dem kleinen Städtchen Waldniel am Niederrhein wird Klaus-Uwe Lorenz 1922 geboren und wächst dort auf. Nach der Schule entscheidet er sich für den Beruf des Technischen Zeichners. Bei Hünnebeck in Düsseldorf findet er seine erste Anstellung. An großen Zeichentischen arbeitet er Pläne für Hünnebeck-Projekte aus. Das Thema Schalungen und Gerüste fasziniert Lorenz. Er will mehr wissen und mehr lernen und lässt sich über eine Abendschule zum Bautechniker ausbilden.

Von der Theorie zur Praxis

Ab 1961 arbeitet er dann im Lehrgerüstbau. Er beschäftigt sich als Techniker mit dem Bau von Brücken und anderen Projekten. Doch irgendwann dann will Lorenz mehr. „Ich weiß nicht mehr genau wann, aber es gab einen Zeitpunkt, wo ich aus dem Büro raus wollte. Statt der Theorie wollte ich mit der Praxis da draußen konfrontiert werden.“ Für Lorenz ein entscheidender Schritt. Denn aus dem Techniker wird damit nach und nach einer der erfolgreichsten Hünnebeck-Manager.

Erfolg durch fachliches Wissen

Von Schalungen und Gerüsten versteht er was. Er ist nicht nur Verkäufer, sondern auch jemand, der etwas vom Produkt selbst versteht. Klaus-Uwe Lorenz geht ganz pragmatisch an die „Verkaufe“ ran. Schnell merkt er, dass mit seinem technischen Wissen besser und erfolgreicher beraten und verkaufen kann, als diejenigen Kollegen, die nicht so im Detail stecken. Er kann dem Kunden andere und bessere Argumente liefern.

Der Erfolg zeigt sich schon bald. Lorenz akquiriert für Hünnebeck zahllose Objekte im Brücken- und Autobahnbau. Wenn er auf der Autobahn Münster/Bremen zum Urlaub an die Nordsee fährt, dann ist das zum großen Teil „seine“ Strecke. Kaum eine Straße oder Brückenprojekt im westdeutschen Raum, wo Lorenz nicht für Hünnebeck erfolgreich war.

Berlin lockt

1972 kommt der Ruf nach Berlin. Der damalige Niederlassungsleiter kennt Lorenz noch aus seinen Anfangszeiten bei Hünnebeck und will den erfolgreichen Youngster unbedingt in die deutsche Hauptstadt locken. Lorenz zögert erst, auf die damals noch „einsame Insel Berlin“ zu gehen. Sicher, Berlin ist eine faszinierende Stadt. Aber welche, auch politische, Entwicklung wird die vom Arbeiter- und Bauernstaat umgebene Stadt nehmen? Schließlich entscheidet er sich doch und nimmt die Herausforderung an. Als Niederlassungsleiter Berlin übernimmt er das Büro am Friedrich-Olbrich-Damm.

Ungeahnte Möglichkeiten für neue Geschäfte

Schnell entdeckt Lorenz, welche ungeahnten Möglichkeiten Berlin für das Geschäft von Thyssen-Hünnebeck bietet. Nach und nach etabliert er sich als gefragter und anerkannter Gesprächspartner der Berliner Baubranche. Als Techniker weiß er, welche Lösungen auf der Baustelle gefragt sind und was Hünnebeck-Gerät dabei leisten kann. Und, was Lorenz verspricht, das wird auch eingehalten. Neben der Qualität des Geräts, der perfekten Lösung, gehören vor allem auch Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zum Geschäft. Seine Partner wissen das zu schätzen.

Von „Null auf Hundert“

„Als ich nach Berlin kam, hatten wir hier gerade mal 1 Million Umsatz. Heute ist es ein zweistelliger Millionenbetrag, der sich sehen lassen kann.“, meint Lorenz. Gerne erinnert er sich dabei an besondere Projekte in Berlin, bei denen Hünnebeck-Gerüste und Schalungen ihre besonderen Stärken ausspielen konnten. Beim Bau des Flughafens Berlin-Tegel zum Beispiel. Oder beim Bau des Congreß-Centers (ICC) und des Dom-Hotels. Auch die Schlangenbader Straße, das sogenannte Tempelhofer Kreuz, die Großbaubaustelle einer Kläranlage in Berlin oder das neue Werk der Firma Herlitz in Berlin, einem Projekt von über 100 Millionen Mark, waren dabei. Nicht zu vergessen die Riesenbaustelle für die Erweiterung der Uni-Kliniken oder neuere Projekte, wie ABB, Schweizer Tal, Schönhauser Allee oder wie die zahllosen Objekte sonst noch heißen.

Erinnerungen an gestern

Erinnerungen an besondere Ereignisse in zwanzig Jahren Hünnebeck, fragen wir Klaus-Uwe Lorenz? Spontan fällt ihm dabei der Auftrag bei Bau des Dom-Hotels in Berlin ein. „Das war eigentlich mein schönster Auftrag. Während sonst die Auftragsschreiben viele Seiten umfassen, ging es hier mit nur einer Seite ab.“ Tja, und dann war da ja noch dieser Auftrag einer ungarischen Firma, bei dem Klaus-Uwe Lorenz nach Budapest flog und kaum Verhandlungen stattfanden. Aber nach drei feuchtfröhlichen Nächten war dann plötzlich alles perfekt.

Umzug nach Berlin-Weißensee

1990, nach dem Fall der Mauer, wird das alte Niederlassungsgelände zu eng für das ständig gestiegene Geschäft. Lorenz und seine Mannschaft ziehen um nach Berlin-Weißensee. „Tja, ein wenig leid hat es mir natürlich schon getan, nach der langen Zeit, aber wir platzten wirklich aus allen Nähten. Zu dem Berlin, das ich wie meine Westentasche kenne, sind dann die Gebiete um Potsdam, Frankfurt (Oder), Neubrandenburg und Teile der Ostseeküste rund um Stralsund neu hinzugekommen. Das hieß mehr Arbeit in neuer Umgebung. Aber auch mehr neue Kunden und mehr Geschäft. Und genau das ist es, was mich interessiert.“

Geschulte Mitarbeiter sind gefragt

Lorenz weist mit der Hand auf das aufgeräumte Lager mit Hünnebeck-Gerät. „Unsere Lagerfläche inklusive der Halle ist nun zwar doppelt so groß wie vorher. Rund 10.000 m2 stehen uns zur Verfügung. Aber schon jetzt ist absehbar, das es auch hier wieder zu eng wird. Noch vor eineinhalb Jahren kamen wir mit fünf Mitarbeitern hier in Berlin aus. Heute sind wir ein Team auf 78 Technikern, Sachbearbeitern, Außendienstlern und Lagerplatzmeistern. Die meisten davon kommen aus der ehemaligen DDR. Sie alle werden in der Ratinger Hauptverwaltung technisch geschult und werden dort das neueste Wissen über Schalungs- und Gerüstsysteme vermittelt bekommen.“

Mehr Präzision durch moderne Technik

Moderne Computeranlagen unterstützen heute Lorenz und sein Team in Weißensee. „CAD (Computergestütztes Design) wird immer wichtiger.“, meint Lorenz. „Zum Beispiel für das präzise und zeitsparende Ausarbeiten der erforderlichen Schalpläne, Materiallisten und statistischen Nachweise. Ohne Computer könnten wir die viele Arbeit hier gar nicht bewältigen.“

Harter Kampf um Marktstellung

Bei der Frage nach dem Berlin heute, lächelt Lorenz. „Natürlich ist das Berlin von heute nicht mehr das Berlin von gestern. Vieles hat sich nach dem Fall der Mauer geändert. Natürlich auch für unser Geschäft. Waren wir hier früher unangefochten die Nummer eins, so müssen wir heute um diese Stellung im Markt sehr hart kämpfen. Mit dem Bauboom ist auch die Konkurrenz nach Berlin gekommen. Und es wird hier mit sehr harten Bandagen gefightet. Immer mehr geht ausschließlich über den Preis. Die perfekte Lösung und die Qualität bleiben dabei manchmal auf der Strecke. Schade drum, aber so hat sich das Geschäft nun mal entwickelt. Dennoch bietet Berlin so viel, dass ich sicher bin, dass wir auch weiterhin zu den Niederlassungen mit den höchsten Umsätzen von Hünnebeck zählen werden!“

Ein typischer Hünnebeck-Mensch

Klaus-Uwe Lorenz kommt ins Erzählen. Er erzählt von dem Berlin von gestern und dem Berlin von morgen. Und je mehr man ihm zuhört, merkt man ihm an, dass er seinen Markt bis ins kleinste Detail kennt. Ein alter Fuchs eben, der Spaß an seiner Arbeit hat. Und ein Mensch, wie er für Hünnebeck nicht typischer sein könnte. Engagiert und zukunftsorientiert. Und dazu ausgesprochen erfolgreich.

Redaktion: Helmut Peters