Der Genever: Ein ganz besonderes Tröpfchen!

Mit der Bezeichnung Jenever oder auch Genever wird ein in Belgien und den Niederlanden hergestellter Schnaps beschrieben. Die erste Dokumentation über Jenever wird in der Königlichen Bibliothek zu Brüssel aufbewahrt. Sie datiert von 1351 und in der Urkunde wird über das Destillieren von Wein gesprochen, welches „Lebenswasser“ ergibt. Dieses Destillat sei gut gegen Krankheiten, insbesondere wenn Kräuter hinzugefügt würden. Empfohlen wurde, nur einige Tropfen zu nehmen. Es ist aktenkundig, dass Jenever bei der Behandlung von Pest verwendet wurde.

Ab dem 15. Jahrhundert ist nachweisbar, dass bereits verschaltes Bier destilliert wurde. Es entstand „Kornbranntwein“ da das Bier ja aus Getreide/ Korn gebraut wurde. Je nach Region werden Kräuter (wegen der medizinischen Wirkung) hinzugefügt und es wird vermutet, dass das der Deutsch-Niederländische Arzt Franciscus de le Boë Sylvius (Hanau, 15. März 1614 – Leiden 16 November 1672) etwa um 1650 ein Getränk destilliert hat, das er „Genièvre“ (frz. für Jenever) benannt hat, aus dem dann die Bezeichnung Jenever entstanden ist. Zum reinen Brand wurden Kräuter hinzugefügt. Beliebt wurde als Zugabe die Wacholderbeere (= Jeneverbes in Nl.). Es ist aber auch bekannt, dass mit anderen Kräutern und Gewürzen experimentiert wurde, z.B. mit Fenchel und Anis. Populär sind auch Zufügungen von Citrus- und Orangeschalen sowie verschiedenen Früchten (Johannisbeere), Süßholz, Koriander, Muskatnuss und Zimt.

Es gibt hunderte Arten von Jenever, die alle ihre eigene Rezeptur haben. Moderne Varianten werden gern mit Essenzen versehen. So gibt es auch Chokolade- und Rosen-, Apfel- und Birnenjenever. Man berichtet in den Niederlanden gern, dass im 19. Jahrhundert in England versucht wurde, die Rezeptur nach zu machen. Dabei entstand Gin, dass dann wiederum eine eigene Entwicklung bekam. Bis zum 19. Jahrhundert war die Basis für Jenever ein Malzwein. Dann wurde nach und nach ein billigerer Alkohol, gewonnen aus Zuckerrüben, verwendet.

Obwohl die Ausgangsbasis die gleiche war, haben sich Belgische und Niederländische Jenevers etwas anders entwickelt. Im Wesentlichen ist belgischer Jenever etwas geringer im Alkohol (30%) und schmeckt etwas ursprünglicher nach Korn. Es wurden also traditionell weniger Kräuter, Gewürze und Obstderivate verwendet. Die beschriebenen Einschränkungen aus der spanischen bzw. österreichischen Zeit galten nicht für niederländischer Jenever und deswegen konnte dieser sich freier entwickeln. Beide Länder produzieren jedoch Produkte hervorragender Qualität und haben eine reichhaltige Jeneverkultur entwickelt. Wesentliches Merkmal, dass zum Geschmacksunterschied beiträgt ist das Wasser, dass zum verdünnen des reinen Destillats verwendet wird.

Die belgische Hauptstadt des Jenevers ist Hasselt. In den Niederlanden ist es ohne jeden Zweifel Schiedam.

youtube video – Werbung für Hooghoudt-Genever

Geneversorten

In den Niederlanden, Belgien und Nordwestfrankreich gibt es sicher über 1.000 verschiedene Genever-Sorten. Im Wesentlichen kann man folgende Unterteilung machen:

Junger Jenever (Jonge Jenever)

Traditionell aus günstigeren Alkoholsorten, z.B. aus Zuckerrüben gebrannt. Junger Jenever besteht aus mindestens 35% Alkohol in NL, in Belgien nur 30%, wovon mindestens 15% Malzwein sein muss. Er darf maximal 10% Zucker pro Liter haben.

Alter Jenever (Oude Jenever)

Die Bezeichnung „alt“ deutet nicht darauf hin, dass dieser Jenevertyp ein bestimmtes Alter hat. Basis für alter Jenever ist ein Malzwein aus Korndestillat von 96%, der solange verdünnt wird, bis das gewünschte Alkoholprozent erreicht wird. In der Regel ist auch alter Jenever 35% stark, jedoch gibt es viele Sorten, die bis Ende der 50% hoch gehen. Alter Jenever muss aber immer mindestens aus 15% Malzwein bestehen. Aus Qualitätsgründen wird meistens 20% Malzwein verwendet. Der Zuckergehalt ist mit 20% pro Liter etwas höher als bei jungem Jenever. Wie auch bei jungem Genever werden dann je nach Region Kräuter, Obstschalen, Muskatnuss, Zimt usw. zugefügt wodurch der Jenever seinen eigenen Geschmack bekommt. Alter Jenever ist etwas elfenbeinfarbig. Je nach Destillierbetrieb und zugefügten Ingredienzien kann alter Jenever auch gelblich oder gar amberfarbig aussehen. Wegen des reichhaltigen Bouquets sollte alter Jenever auf Zimmertemperatur getrunken werden.

Kornjenever (Korenwijn)

Ein Jenever (jung oder alt) der zu 100% aus Korn gebrannt wird, er führt den Adelstitel „Korenwijn“ im Etikett. Korenwijn enthält mindestens 51% Kornwein, maximal 20% Zucker pro Liter, hat ein Alkoholgehalt von mindestens 38% und es werden ausschließlich natürliche Zutaten beigemischt. Diese sind regional unterschiedlich, was zu einem breiten Spektrum an individuellen Geschmacksrichtungen und auch Farbschattierungen beiträgt.

Jenever mit Obst

Klassische Beispiele sind der Beerenjenever Bessenjenever und der Zitronenjenever Citroenjenever. Beerenjenever ist ein junger Jenever, dem rote (ab und zu auch einige schwarze) Johannisbeeren beigefügt werden. Er hat folglich eine rote Farbe und ist mehr süßlich. Zitronenjenever ist folglich aus der Beimischung von Zitrusschalen entstanden.

Redaktion: Helmut Peters