Wohnen und arbeiten unter einem Dach

Gut geplant ist halb gewohnt

Komplexe Projekte stehen und fallen mit einer optimalen Planung. Das gilt insbesondere für den Wunsch vieler Häuslebauer nicht nur unter einem Dach zu wohnen, sondern unter dem gleichen Dach auch zu arbeiten. Die Spanne der Möglichkeiten reicht dabei vom Arbeitszimmer unter dem Dach bis hin zur großen Praxis von zum Beispiel Ärzten oder Rechtsanwälten. Denken und achten muss man dabei vor allem an viele kleine Dinge.

Maßgeschneidert bauen

Im Alltag ist man daran gewöhnt, aus einem bestimmten Angebot an fertigen Lösungen eine auszuwählen, die am besten passen scheint oder den Bedürfnissen (sprich auch Geldbeutel) am ehesten entgegenkommt. Bei Bau oder Kauf eines Hauses ist das schon etwas anders. Ein Haus sollte möglichst nicht „von der Stange sein“, sondern möglichst maßgeschneidert werden. Der Bauherr, insbesondere jener, der das Wohnen und Arbeiten unter einem Dach erfolgreich verwirklichen möchte, sollte schon sehr genaue Vorstellungen haben. Und das schon sehr weit im Vorfeld des eigentlichen Bauprojektes.

Vordenken, nachdenken, mitdenken

Es geht nicht nur darum, ein Grundstück auszusuchen, eine Haus darauf zu bauen oder zu kaufen. Je nach Art der Arbeit oder der Dienstleistung, die im eigenen Haus durchgeführt werden soll, gibt es gleich eine ganze Zahl von Beteiligten, an die man denken muss. Behörden beispielsweise, Nachbarn oder sogar Politiker.

Ein Arbeitszimmer oder kleines Büro wird keinen stören. Aber sobald Publikumsverkehr hinzukommt oder andere Beeinträchtigungen entstehen, muss man die Frage klären, ob dies im gewünschten Gebiet überhaupt erlaubt ist. Wichtig ebenso die Frage auf der anderen Seite, ob denn die geplante Lage überhaupt den Zielen und Ansprüchen der Arbeit entsprechen. Wie weit ist es bis zur Stadt, bin ich schnell auf der Autobahn, gibt es eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr? Baue ich in einer reinen Wohngegend oder in einem gemischten Gebiet? Habe ich für meine Arbeit in direkter Nähe Konkurrenz oder nicht? Viele Fragen also, die beantwortet werden müssen.

Das gilt ebenso für die Frage, inwieweit das Finanzamt bei Ihren Plänen mitspielt. Für die Anerkennung von Arbeitsräumen im eigenen Haus gibt es ganz bestimmte Richtlinien, die erfüllt sein müssen. Beispielsweise die Anforderung, dass eine private Nutzung des Arbeitszimmers praktisch ausgeschlossen ist. Bei größeren Projekten ist zu prüfen, ob die Trennung zwischen Privat- und Arbeitsbereich wirklich eindeutig ist. Fragen Sie also Ihren Steuerberater lieber einmal mehr, um sich später den Ärger mit dem Finanzamt zu ersparen.

Bevor Sie also Ihren Plan vom Wohnen und Arbeiten unter einem Dach verwirklichen, sollten Sie konsequent ein klares Anforderungsprofil erstellen. Dies hilft Ihnen Ihr Projekt realistisch einzuschätzen und entsprechend Ihren speziellen Ansprüchen entsprechend zu steuern. Architekt und Planer haben damit zugleich einen funktionalen Leitfaden, mit dem das spätere Ergebnis bestens vorbereitet werden kann.

Gute Grundrissplanung nützt

Wohnen und Arbeiten unter einem Dach bedeutet auch von vornherein an eine gute Grundrissplanung zu denken. Wer will schon, dass tagtäglich Kunden durchs Wohnzimmer in den Arbeitsraum laufen? Oder aber die Kinder tagsüber die Arbeit gar nicht erst zur Arbeit werden lassen. Die Schaffung wirklich räumlich getrennter Bereiche ist in vielen Fällen eine der besten Lösungen.

Denken sollte man auch an spätere Zeiten. Zum Beispiel daran, dass man im Alter eventuell aus den Arbeitsräumen beispielsweise eine kleine Einliegerwohnung machen kann. Das gilt auch für den Fall, wenn aus irgendwelchen Gründen das häusliche Büro aufgegeben werden muss. Oder aber Familienzuwachs zu Nutzungsänderungen führt. Jetzt an das denken, was morgen alles passieren könnte, vermeidet später teure Umbaukosten. Und unter dem Strich viel Ärger.

Für den Arbeitsbereich sollte man weniger an Ästhetik, sondern mehr an Praktikabilität denken. Zum Beispiel, ob die vorgesehenen Fenster im Dachgeschoss wirklich ausreichen, um genügend Licht zu schaffen. Wo sollen später Schränke, Schreibtische und Computer stehen? Reicht der Platz aus, um alles ohne Raumnot unterzubringen? Kann ich alles zu plazieren, um damit ohne Probleme zu arbeiten?

Schon mal dran gedacht, was ein Schreibtischstuhl mit seinen fünf Rollen alles auf einem Teppich- oder Holzfußboden anrichten kann, wenn man Tag für Tag hin- und herrollt? Ein arbeitsplatzgerechter Boden ist schon allein aus diesem Grund empfehlenswert. Das gilt auch für Böden in Dachgeschossen, wo man zusätzlich an Schallschutzmaßnahmen denken sollte. Arbeit ist immer auch mit Geräusch verbunden.

Sicherheit im Büro

Vorbeugen ist besser als heilen. Ein alter Spruch, der ebenfalls für das Thema vorbeugender Einbruchschutz gilt. Die These vieler Eigenheimbesitzer, dass „bei uns ja doch nichts zu holen ist“ stimmt nämlich so nicht. Für das Wohnen und Arbeiten unter einem Dach sollten deshalb auch sicherheitstechnische Aspekte mit berücksichtigt werden.

Eine Studie der Kölner Kriminalpolizei zeigt genau auf, wo die Schwachstellen eines Hauses von Einbrechern ausgenutzt werden. Während bei Einfamilienhäusern Terrassentüren (51,7%), Fenster (31,7%) und mit weitem Abstand Haustüren (9,2%) die beliebtesten Ziele der Einbrecher sind, sind es bei Mehrfamilienhäusern naturgemäß die Wohnungstür (56,7%), dann folgen Terrassentüren (22,6%) und Fenster (20,7%). Glasbruch spielt in diesem Zusammenhang übrigens eine zu vernachlässigende Rolle. In gerade mal 1,9% der Einbruchsfälle wurde eine Fensterscheibe zertrümmert, um ins Haus oder die Wohnung zu gelangen.

Klar bestätigt hat die Kölner Studie, dass ein wirksamer mechanischer Grundschutz an erster Stelle der Vorbeugemaßnahmen steht. Mechanik setzt von Anfang an Widerstand entgegen, während elektronische Einbruchmeldeanlagen lediglich den Einbruch melden und das auch nicht immer fehlerfrei.

Wie aber sichert man Fenster und Türen optimal? Eine Frage, die so nicht pauschal beantwortet werden kann. Ein wichtiges Augenmerk bei der Absicherung ist die Schwachstellenanalyse des Objektes. „Otto Normalverbraucher“ ist letztendlich mit einer solchen Einschätzung in der Regel überfordert. Bei jeder örtlichen Kriminalpolizei stehen jedoch Berater zur Verfügung, die eine solche fundierte Analyse und Präventionsberatung gratis auch vor Ort durchführen. Auch Hersteller von Sicherheits-Schlössern/Sicherheitseinrichtungen bieten vielseitige Hilfen an. Bei der Firma ABUS (ABUS, Altendorfer Weg 25, 58300 Wetter) gibt’s beispielsweise neben praxisgerechten Broschüren einen informativen Videofilm als Beratungshilfe.

In diesem Zusammenhang muss in bestimmten Fällen auch an die Einrichtung eines Tresors gedacht werden. Wichtige Unterlagen gehören auch sicher aufbewahrt. Nicht nur übrigens zum Schutz vor Einbruch, sondern ebenso vor eventuellen Brandgefahren.

Technik über alles

Der Computer und das Telefon bestimmen in den meisten Fällen heute den Alltag im Büro. Planung hier bedeutet vor allem an Kabel, Kabel und nochmals Kabel zu denken. Alte Regel dabei: Steckdosen und Leerrohre kann man besonders in einem Arbeitszimmer nie genug haben.

Planen sollte man insbesondere, wo der spätere Arbeitsplatz, also Schreibtisch, Computer, Drucker, Bildschirm, etc. plaziert werden sollen. Gerade an dieser Stelle kann man Steck- oder Telefondosen nie genug haben, will man später nicht in einem Kabelwirrwar enden. Auch nutzt der ISDN-Anschluß wenig, wenn er weit gegenüber auf der anderen Seite des Büros angebracht ist.

Wer Computer oder andere elektronische Geräte vernetzen möchte, sollte an Kabelschächte denken, um später Stolperfallen zu vermeiden. Auch müssen solche Kabelschächte oder Leerrohre genügend groß dimensioniert sein, um den Zuwachs an Kabeln aufnehmen zu können.

Schnurlos unter einem Dach

Eine Kabel-Alternative im Telefon- und Computerbereich bieten sogenannte Schnurlosanlagen, die entweder via Infrarot oder Funk gesteuert werden. Dank moderner Technik muss dann beispielsweise nur noch ein Gerät – nämlich die Basisstation – direkt mit einem Telefonanschluss verbunden werden. Alle anderen Geräte – egal ob Telefon, PC oder Laptop – sind per Funk mit der Basis verbunden. So können Telefon, Internet, PC-Fax und Datentransfer überall im Haus oder Garten genutzt werden.

An die meisten modernen ISDN-Funk-Anlagen können bis zu acht Endgeräte angeschlossen werden. Für kleinere Büros reicht das in aller Regel aus. Je nach Belieben kann man dann entweder in Ruhe im Internet surfen oder im Arbeitszimmer das Geschäftsgespräch führen. Niemand muss übrigens befürchten, dass Gespräche per Funk abgehört werden. Die übertragenen Gespräche und Daten werden verschlüsselt.

Farbe bringt Leben ins Büro

Planen Sie auch ruhig im Vorfeld die farbliche Gestaltung des Arbeitsraumes. Mittlerweile bringen modische Trends zwar immer mehr Farbe ins Büro. Dennoch sollten Sie nicht allen modischen Trends unbedingt folgen. Was für den Wohnbereich schön ist, kann sich für den Arbeitsbereich störend auswirken. Farben können beruhigen oder anregen, natürlich auch aufregen. Am besten Sie beschäftigen sich ein wenig mit Farbpsychologie (es gibt hier im Buchhandel schon preiswerte Taschenbücher zu diesem Thema). Schaden kann es nicht.

 Licht und Luft

Schaden dagegen wird jedoch eine falsche Anordnung des Arbeitstisches. Gerade dann nämlich, wenn man am Computer arbeitet. Der Arbeitstisch sollte immer so angeordnet werden, dass der Monitor im rechten Winkel zum Fenster steht. Denn fällt das Licht über den Rücken des Anwenders auf die Mattscheibe, blendet und spiegelt es; steht der Monitor dagegen frontal zum Fenster, ist der Lichtkontrasts zwischen Monitorbild und Umgebung zu groß. In beiden Fällen ermüden die Augen schnell. Aber auch der richtig, also im rechten Winkel zum Fenster aufgestellte PC birgt seine Tücken: Zwar ist das Licht korrekt, aber direkte Sonneneinstrahlung kann Mensch und Maschine ganz schön zusetzen. Verstellbare Lamellenjalousien können dieses Manko mildern.

Reicht das Tageslicht nicht aus, müssen Lampen her. Designerlampen, wie zum Beispiel eine Tizziano, mögen zwar schön aussehen. Für einen Bildschirmarbeitsplatz sind sie jedoch ungeeignet. Schreibtischlampen bündeln in der Regel das Licht zu stark. Vorlagen lassen sich lesen, jedoch bleibt der Monitor im Dunkeln. Eine gute Deckenbeleuchtung, die möglichst keine Schlagschatten erzeugt, ist die beste Lichtquelle fürs Büro.

Auch das Lüften der Räume spielt eine wichtige Rolle für den Arbeitsbereich. Dachgeschossbewohner – nicht nur – sollten eventuell auch an eine kleine Klimaanlage denken. Auch in unseren Breiten gibt es noch heiße Sommertage.

Harmonie im ganzen Haus

Vor wenigen Jahren noch hätte man Feng Shui in Deutschland für eine asiatische Nudelsuppe gehalten. Doch in Zeiten, wo gesundes wohnen und arbeiten immer breiteren Raum einnimmt, ist die asiatische Wohnkunst in nahezu aller Munde. Was steckt aber hinter Feng Shui wirklich? Mit Esoterik und Magie hat es auf jeden Fall wenig zu tun. Mehr kann man Feng Shui als Wissenschaft betrachten, die auf dem altchinesischen Weltbild basiert. Kein Privat- oder Arbeitsbereich in der fernöstlichen Welt, der nicht Feng Shui einbezieht. Feng Shui wird dabei mit Themen wie Glück in der Liebe, Erfolg im Beruf oder lebenslange Gesundheit verknüpft.

Feng Shui funktioniert im Prinzip sehr einfach. Die Chinesen gehen davon aus, daß ein Raum voller Chi ist, was man auch mit Energie oder Lebensenergie übersetzen kann. Diese Energie sollte möglichst ungehindert durchfließen können.

Mit Hilfe eines sogenannten Feng-Shui-Kompasses und der Himmelsrichtungen werden einer Wohnung dann bestimmte Zonen zugeordnet. Die einzelnen Bereiche stehen dann für verschiedene Lebensaspekte, wie etwa Karriere, hilfreiche Freunde, Partnerschaft oder Reichtum.

Entrümpeln ist bei Feng Shui die wichtigste Maßnahme überhaupt. Überhäufte Schreibtische, überladene Schränke oder Regale bremsen jeden Energiefluss. Je mehr Licht in die Wohnung ist, umso besser. Spiegel können aus Feng Shui-Sicht Energien reflektieren oder zurückstrahlen. Auch Wasserspiele, Pflanzen oder Klangspiele gehören nicht zuletzt zum Thema Feng Shui.

Feng Shui bietet sicherlich interessante Möglichkeiten für die Planung des Wohnens und Arbeitens unter einem Dach. Vor allem aus gesundheitlicher und/oder ökologischer Sicht heraus.

Redaktion: Helmut Peters